reiseimpressionen von werner remmele ---- dubai und oman, tansania, so-asien ... und vieles mehr
Donnerstag, 18. Dezember 2008
081218 - finito totale
Gestern war die Fahrt zum Flughafen in HCMC noch etwas chaotisch, da das beim Sinh Cafe bestellte Taxi nicht angekommen ist. Nachfrage im Sinh Cafe: kein Problem, nehmen wir halt ein Taxi von der Strasse ... funktioniert halt wieder mal alles, wenn auch nicht wie geplant. Aber das war ja (fast) immer so, auf der Reise.
Nach einer etwas hektischen Fahrt zum (neuen) Flughafen reihten wir uns dann in die Schlange vor den Air Asia Counters ein: langsam, noch langsamer, eigentlich geht's nicht mehr langsamer. Grund: dei daemliche Gepaeckbeschraenkung auf 15 kg. Und die Einhaltung der Regelung: Umpacken ins Handgepaeck. Ob man dann mit mehreren grossen Tueten (wie eine Dame rechts vor uns) zusaetzlich zu den beiden kleineren Reisetaschen ins Flugzeug steigt - das interessiert keinen. Erwin muss noch einige Reisefuehrer und ein Paar Schuhe umpacken, aber das geht recht schnell.
Dann Security Check und Immigration. Wo ist die Einreisebestaetigung? Haben ja keine bekommen, aber einen Einreisestempel. Das reicht nicht - eine Einreisebestaetigung muss her. Also alles wieder retour, zum Air Asia Counter, das Formular geholt, ausgefuellt (sowohl fuer Ein- wie auch fuer Ausreise), wieder Security, wieder Immigration. Jetzt ist alles OK. Voellig absurd, denn in Hanoi hatten sie uns die Bestaetigung gar nicht abgenommen... Einfach Schikane, wegen Unterbeschaeftigung. Denn, obwohl der Flughafen gross, modern und ganz schoen ist - viel Verkehr gibt's nicht.
Dann wollen wir noch einen Espresso trinken - bei den Preisen vergeht uns aber der Appetit (5 $) und wir fliegne ohne Koffein nach Bangkok.
Holger und AEW holen uns vom Flughafen ab - und es geht direkt zum bekannten American Ribs (vielleicht hat Holger da schon Anteile dran erworben - immerhin waren wir ja schon mehrfach da...). Wir haben noch einen netten Abend, nur etwas getruebt durch den Krach eines adhoc Freiluftkinos auf der Strasse. Aber - aehnlichen Laerm kennen wir ja schon aus Laos oder wo auch immer.
Heute morgen wird dann nochmals serioes gepackt. Holger holt ein gutes Fruestueck von 'bei Otto' und ...
... jetzt geht's los Richtung Heimat.
Muenchen - wir sind im Anflug!
Mittwoch, 17. Dezember 2008
081217 - finito und bye bye vietnam
Bye, bye Hitze...
Was auch auf die letzte Nacht noch zutrifft. Das Zimmer war - wieder - laut und heiss. Erwin ertraegt die Klimaanlagen nicht und deshalb haben wir immer gut Waerme im Zimmer. Und die uebliche Lautstaerke in diesem Hotel - wie gehabt, aber diesmal mit Oropax abgeschirmt. Bis 02:00, dann habe ich gehofft, dass der Laerm abgeebbt waere. Gefehlt - siehe gestern. War wieder interessant. Nach einem fulminanten Finale war dann aber der Laerm zu Ende, bis der von der Strasse begann.
Morgens wollten wir uns etwas beeilen, denn Check Out ist um 12:00 und davor wollten wir noch das Kriegsmuseum besuchen. Wieder mal ein besonders 'interessanter' Ort fuer mich als Pazifisten. Bekannte Ausstellungsstuecke - wie die Bilder von Massakern - und etwas Geschichte des Vietnam-Kriegs werden sehr eindrucksvoll dargestellt. Fuer mich etwas zu beeindruckend. Auch die Nachbildung von Tiger Cages darf nicht fehlen - wohl die Ausgangsform fuer die entsprechenden Dinger in Phnom Penh - kein grosser Unterschied in Grausamkeit festzustellen.
Mittags gab's - das musste natuerlich noch sein - die letzte Nudelsuppe am Markt und danach noch einen Abschiedsespresso bei Highlands Coffee. Jetzt sind wir auch unsere letzten Dongs losgeworden. Es wird wieder ge-Baht ... Thailand - wir kommen.
Dienstag, 16. Dezember 2008
081216 - saigon, zum zweiten …
Die Nacht - ja, die Nacht - die hatte es wieder in sich. Der Zimmertausch hat uns zwar ein kleineres Bad und einen höheren Raum beschert, aber leiser ist es dadurch nicht geworden. Ich konnte lange nicht einschlafen, und als dann irgendein Nachbar mit einer 'Dame' in sein Zimmer einzog, wurde es auch noch 'interessant'. Nonono, dann doch oooooo. Why not go on? Etc. Nett, aber nur für die beiden, nicht für die zwangsläufig lärmmäßig Mitbeteiligten. Gegen 02:30 bin ich dann wieder ins Bett und habe kurz geschlafen.
Dieser letzte, ganze Tag ist natürlich bemerkenswert, weil man alles noch viel intensiver anschauen will, alles nochmals speichern will. Auch wenn wir es schon zig, hundert oder tausendmal gesehen haben.
Da sind die Damen, die sich nicht nur das Gesicht verhüllen, sondern - um die blasse Haut zu behalten - Handschuhe bis zu den Schultern tragen. Da sind die aufdringlichen Moto oder Rikscha-Fahrer mit ihrem 'hello mister', die Kinder, die schon in frühem Alter irgendwas zu verkaufen haben, die Frauen, die kopierte Bücher oder Uhren an den Mann bringen wollen, die unsäglichen Installationen, der omnipräsente Lärm des aggressiven Verkehrs. All das wollen wir auch mit nach Hause nehmen.
Wie auch den Markt - wieder mal ist einer in der Nähe, und Erwin probiert kurz nach dem Frühstück eine Art Frühlingsrolle. Er will nur eine testen, aber daraus wird nichts. Es wird immer eine komplette Mahlzeit angeboten. Für wenig mehr als 50 Cents. Zum ersten Mal sehen wir Frösche, die als Traube zusammengehängt auf ihren Käufer warten. Fische zucken ohne Luft. Eine Frau filettiert Fische und schabt Carpaccio daraus. Manche wollen unbedingt ein Bild - ablehnen mag sowieso keine.
Irgendwann ist aber Schluß mit Markt und wir wollen die paar Sehenswürdigkeiten der Stadt besuchen. Da ist zunächst der Vereinigungspalast - eine Monsterarchitektur (den Architekten sollte man mal ein Jahr lang drauf schauen lassen), die wir nur von außen sehen wollen. Auf dem Gehsteig kommt uns eine Lawine von Motos entgegen, die den Fußweg zur Fahrbahn machen, da die Straße verstopft ist. Ich mach mir einen Spaß daraus in der Mitte zu gehen und die Fahrer zu verscheuchen, gebe es aber bald auf, denn denen macht es offenbar allen viel mehr Spaß mich fast über den Haufen zu fahren, als mir, ihnen den Weg zu versperren.
Dann geht's weiter zur Notre Dame, von der ich mir auch nicht viel erwarte. So werde ich auch nicht enttäuscht. Erwin erklärt mir zwar, daß dies die größte Kirche in diesem Baustil sei … aber, wenn man sie so ansieht ist schon klar, warum da nicht mehr davon gebaut sind. Innen ist sie auch ganz schmucklos, bis auf die Seitenfenster und eine blau beleuchtete Madonna - netter (?) Kontrast.
Daneben dann ein echtes Prunkstück. Das könnte das Nationalmuseum, die Oper, der Kunstpalast oder - die Post sein. Richtig, dieses Kolonialgebäude ist die Hauptpost, von außen und innen ein Prachtexemplar von Gebäude. An der Außenfassade sind einige Dutzend der größten Physiker geehrt, innen verblüfft zunächst die Decke und die beiden Landkarten an den Seitenwänden: Telegrafenlinien durch den Süden Vietnams und Kambodschas, sowie eine Karte von Saigon.
Draußen steht dann ein Brautpaar - das sehr urige Hochzeitsfotos von sich machen läßt: Sie stehen in benachbarten Telefonzellen und rufen sich wohl gerade gegenseitig an. Dirigiert werden sie von einem Profifotografen mit guter Canon-Ausrüstung. Ein Hallo unter Kollegen ist klar. Danach geht's noch einige Meter runter zur Oper - naja - und das waren sie schon, die Highlights von Saigon.
Was also tun? Wir entschließen uns, den Nachmittag im Botanischen Garten zu verbringen, Zoo eingeschlossen. Laut Führer ganz ok, laut unserer Meinung: Kann man sich schenken. Botanik gibt's, aber die gibt's hier überall, wo etwas wachsen kann. Zoo gibt's auch, aber ziemlich artfremde Haltung ist allen Gehegen zu eigen. Interessant finden wir nur die Krokodile, bei denen wir ins Maul schauen und erkennen können, daß sie auch mit offenem Maul den Schlund verschließen können (was aber nicht heißt, daß sie das auch tun - im Zweifelsfall). Tiger und Löwen machen ihre üblichen Meterrunden am Zaun - Fälle für den Tierpsychiater. Das Nimpf (Violas drittes Wort als Baby - zu übersetzen als Nilpferd) hat deutlich zu wenig Wasser, wie auch andere Tiere. Alles in allem - groß, gut genug für ein Mittagsnickerchen auf einer Bank und billig.
Kaffee trinken wir wieder am Ufer des Saigon River - und laufen dann einfach Richtung Hotel. Nehmen nochmals alle Eindrücke mit - auf Bildern oder im Gedächtnis.
Für abends hatten wir uns ein 'Abschiedsessen' im Restaurant des Hotels Liberty IV (ja, die I, II und III gibt's auch) vorgenommen: Terrasse im 9. Stock - weit über Straße, Platz und den meisten umliegenden Häusern. Es wird ein Hot-Stone-Dinner - nicht schlecht - mit Dessert und in angenehmer Atmosphäre.
So beenden wir den letzten ganzen Tag in Vietnam, den letzten Tag Urlaub vor Beginn der Rückreise. Und übermorgen sind wir schon wieder zuhause. In der Kälte … brrr - ich mag's gar nicht glauben. Hat doch dies alles gerade erst begonnen…………….
Montag, 15. Dezember 2008
081215 - cu chi und saigon
Vor Cu Chi haben die Städter und das Hotel aber noch die Nacht gelegt. Und die hatte es in sich. Laut, laut, laut. Ich kam mir vor wie die Frau, die wir abends auf dem Gehsteig schlafend gesehen haben - inmitten ihrer armseligen Habe - nur mit dem Unterschied, daß die geschlafen hat. Aber auch eine Großstadt kommt kurzfristig zur Fast-Ruhe und auch die Hotelgäste - und so kamen wir doch noch zu einem leichten, immer wieder unterbrochenen Schlaf. Gottseidank - das Zimmer war ja nur für eine Nacht unser Domizil.
Wenn ich mir aber unser neues so anschaue - außer der Tür Richtung Hotel hat sich nicht viel getan. Was die Lärmdämmung betrifft. Grade fährt mal wieder ein Moto durch unser Zimmer …
Jedenfalls - das war die Nacht. Die schlecht begann und schlecht endete. Unser Frühstück bei 'godmother' war dagegen richtig gut und wohlgelaunt ging's Richtung Sinh Café, zu unserer Tour. Die sind wirklich gut durchorganisiert - fehlende Passagiere werden per Lautsprecher ausgerufen und alles ist pünktlich. Auch unser Bus, wo wir die voraus reservierten Plätze einnehmen können. Und was für ein Bus! Peinlich sauber, kein verschlissener Sitz, sogar Sicherheitsgurte gibt es! Das kennen wir ja schon seit Monaten nicht mehr - sind ganz von den Socken!
Zunächst gondelt und der Busseur erst mal durch die Innenstadt von HCMC, wühlt sich durch den Morgenverkehr, durch Straßen, die eigentlich Einbahnstraßen sein müßten, aber gleichzeitig von Fußgängern, Motos, Autos, Bussen und anderen mehrrädrigen Vehikeln benutzt werden. Und irgendwie funktioniert doch immer wieder alles, auch wenn's langsam geht.
Nach 1 1/2 Stunden gibt es dann den obligatorischen Halt. Diesmal bei einer Fabrik, wo Kunstgegenstände hergestellt werden - alles in Handarbeit und vor allem von Menschen, die unmittelbar an den Kriegsfolgen leiden. Es sind meist nicht die richtigen Kriegswunden - dazu sind die Beschäftigten nahezu ausschließlich zu jung - sondern die Folgeschäden von der chemischen Kriegsführung: oft sehen wir mißgebildete Gliedmaßen. Andere Schädigungen sind wohl schwerer zu sehen… Die Arbeit ist außerordentlich diffizil, zumindest für unsere europäischen Augen. Da sitzen Männer und Frauen und fügen Qudratmillimeter große Plättchen von Schildpatt in Mosaiks auf Tellern, Schüsseln oder Bildern ein; es wird gemalt, poliert, gestrichen. Und dann können die Meisterwerke natürlich gekauft werden - sie sind nicht billig, aber - vor allem wenn man die handwerkliche Arbeit sieht - äußerst preisgünstig. Trotzdem: Wir haben keinen Platz in den Rucksäcken und so gibt es kein Souvenir von hier.
Danach fahren wir nochmals 45 Minuten nach Cu Chi, den Zentrum, von dem aus die Höhlen gebaut wurden. Zunächst waren sie wohl als Unterschlupf gedacht, aber dann nahmen sie immer größere Ausmaße ein, bis zum letzten Ausbau, wo sie 200km umfaßten. Dabei wurden sie komplett per Hand gegraben - immer 10 - 15 m weit, bis wieder ein Loch an die Oberfläche zu erreichen war. Danach wurde das zugeschüttet und der nächste Bauabschnitt in Angriff genommen.
Viel wurde zur Tarnung unternommen - die Einstiege waren so gut wie nicht sichtbar auf dem Waldboden, Lüftungsschlitze wurden in Bäumen oder Erdhäufen so angelegt, daß auch Hunde sie nicht erschnüffeln konnten und der Rauch der Küchen wurde über 100 oder 200 m geleitet, wobei Rauchkammern als Zwischenspeicher dienten, damit beim 'Kamin' nur noch ein fast nicht sichtbarer Rauchfaden aufstieg.
Welchen strategischen Wert die Höhlen spielten, kann ich nicht beurteilen und das wird auch aus dem Propagandafilm und der Führung nicht deutlich. Einzig wird die heroische Tat hervorgehoben, die ich auch nicht in Abrede stelle.
Aber - die Art der Präsentation ist dem in keiner Art und Weise würdig. Da stehen nett lächelnde Puppen von Vietkong Kämpfern und Kämperfinnen, die anmutig für ein Erinnerungsfoto herhalten können. Auf einen per Mine gesprengten US-Panzer kann man nett klettern und sich darauf fotografieren lassen. Zu allem Überfluß gibt's noch einen Schießstand, auf dem man für 25 $ 10 Schuß auf einem Maschinengewehr irgendwohin ballern kann. Und wenn einem danach nicht die Ohren klingeln, kann man weiter den Ausführungen des Guides folgen.
Als wir dann zu der Stelle kamen, an der wir alle auch in eine Höhle kriechen durften, war ich schon so 'angfressn', daß ich das auch nicht mehr machen wollte. Warum müssen denn diese Trottel aus dem Kampf ein Volksfest (Erwins Terminologie) oder ein Disneyland (meine) machen?
Da kam mir dann das 'remarks book' gerade recht. Der Typ vor mir hat reingeschrieben: 'Awesome' was ich mit 'aweful' kommentiert habe. Nein - das war keinen müden Dong wert! Die Kämpfer würden sich noch im Grab umdrehen.
Kurz nach 14:00 waren wir dann wieder zurück im Hotel und konnten unser neues Zimmer mit der wunderbaren Nummer 001 beziehen (s.o.). Danach schauten wir uns erst mal ein bißchen in der Stadt um, landeten an der Uferpromenade und bekamen langsam einen Eindruck der Stadt - die nicht nur aus Verkehr besteht. Aber zum großen Teil jedenfalls.
Morgen wollen wir eine gemütliche Fußerkundung der Stadt vornehmen. Es ist unser letzter ganzer Tag in Vietnam - so schnell ist es gegangen: vor nicht allzu langer Zeit haben wir die gemeinsame Reise in Bangkok begonnen und übermorgen geht es da auch wieder hin.
Sonntag, 14. Dezember 2008
081214 - durchs delta...
Davor aber haben wir noch den Vormittag in Can Tho herumgebracht - Erwin nach der SUche fuer ein Mitbringsel fuer Luna und ich mit dem Versuch einer finalen Bestaetigung unserer Unterkunftsbuchung in HCMC. Beides erfolgreich, wenngleich meines ein bisschen kompliziert wurde, da mehrere Hotels - wie ueblich - so gut wie gleich heissen, in der gleichen Strasse liegen und dann noch unterschiedliche mails von der Buchungscompany kamen. Schliesslich sollte ich dann noch den Voucher ausdrucken - geht im Hotel an der Rezeption, aber nur dann, wenn auch der Rechner funktioniert. Lange Wartezeit, kein Ergebnis.
So bin ich dann noch durch den Markt geschlendert - als haette ich auf der Reise noch keinen gesehen - aber jeder davon ist wieder individuell und liefert neues Fotomaterial.
Dann ging's per Motos zum Ablegeplatz unseres High Speed Boats. Da lagen zwar schon zwei rum, aber das groesste und das nach HCMC sollte noch kommen. Ausserdem ist es offenbar das neueste. Und wir hatten die Plaetze in der 'front row'. Eigentlich war uns nicht so ganz klar, was uns da erwarten wuerde - aber wir wurden in allen Belangen positiv ueberrascht.
Das Boot ist zwar rasend schnell - offenbar auf eine Dauergeschwindigkeit von ca. 60 km/h ausgelegt - aber trotzdem fuer diese Geschwindigkeit unglaublich ruhig. Und liegt dazu natuerlich auch ruhig auf dem Wasser, sofern nicht irgendwelche Wellen oder das ueberall praesente gruene Pflanzenmaterial das Fortkommen behindert. Im Gegensatz zu gestern musste bei solchen Gelegenheiten angehalten und kurz zurueck gefahren werden, damit der Unrat sich aus dem Antrieb loest. Eine Prozedur, die einige Male durchgefuehrt werden musste.
Der Weg durch die Kanaele und Arme des Mekong ist viel gestaltig - mal erscheint der Mekong wie ein Meer und nur entfernt sind Ufer zu erkennen, dann geht es wieder durch einen Kanal, wo auch mal jede Menge Gegenverkehr das Fortkommen behindern koennte. Aber nicht tut, denn der Bootsfuehrer findet auch dort Luecken. Was uns anfangs schon etwas ungeheuerlich vorkommt. Aber das Boot ist enorm wendig und laesst sich bei der Geschwindigkeit gut steuern.
Wir kommen an kleinen Orten vorbei, an groesseren Staedten - in My Tho wird ebenfalls eine Bruecke gebaut; etwa gleiches Stadium wie die in Can Tho - fahren durch palmengesaeumte Kanaele - ein komplettes Sammelsurium an moeglichen Umgebungen tut sich auf der Reise auf.
Kurz vor Saigon - es scheint, dass der alte Name wieder dominant wird - aendert sich dann das Ufer: wir fahren in einen Seehafen und halten schliesslich an einer Pier.
Per Moto geht es dann zu unserem Hotel - dem Spring House (nicht zu verwechseln mit Spring) Hotel. Wo wir ein kleines Problem darstellen, denn unser eigentlich geplanter Twin Room ist nicht verfuegbar (das wissen wir schon aus dem Voucher), der alternative Double Room fuer eine Nacht aber auch nicht. Bleibt entweder fuer diese Nacht ein Upgrade auf Superior (zu teuer) oder der Einzug ins niedrigste Zimmer der ganzen Reise. Aber immerhin gibt's zwei Betten, es ist sauber, das Bad OK und es kostet 'nur" 10$. Fuer eine Nacht ganz in Ordnung.
HCMC ist - so moechte ich es charakterisieren - eigentlich die erste Stadt, die wir seit Bangkok sehen: es gibt Hochhaeuser, jede Menge Reklame, noch mehr Verkehr (chaotisch, aber das braucht ja nicht betont zu werden). Wir sind in einem Backpacker-Viertel gelandet, in dem jedes zweite Haus ein Reisebuero ist, ein Restaurant, ein Cafe (manchmal mit etwas fragwuerdiger Gestaltung) und in dem offenbar die Langnasen dominieren. Voellig neue Erfahrung...
In einem kleinen Lokal mit lokaler vietnamesicher Cuisine essen wir zu abend - sehr klein auch die Portionen. Danach buchen wir fuer morgen die Tour zu Cu Chi - den Hoehlen, die die Amerikaner im Vietnam-Krieg nicht stuermen konnten.
Samstag, 13. Dezember 2008
081213 - floating
Zunächst einmal - ist es wieder mal diesig; das scheinen wir auf dieser Reise gepachtet zu haben. Keine Farben, alles fad und flau und flach im Fotokasten. Schade.
Denn die Ufer sind wirklich interessant - zunächst noch dicht bebaut auf der rechten (steuerbord) Seite, links dominieren kleine Häuser, meist gemauert, oft aber auch noch aus Naturstoffen wie Holz und Palmengeflecht gebaut. Und alle mit Wasserspülung im Klo: Die Häuschen sind oft angebaut, manchmal auch separat und liegen immer direkt über dem Wasser. Na Mahlzeit - vor allem wenn man bedenkt, daß der Frühsport sich hier in Duschen und Geschirrwaschen im Fluß erstreckt. Aber - auch das scheint zu funktionieren. Auf unserer Route sehen wir oft waghalsig beladene Frachter, deren Wasserlinie über die Bordkante reicht; die Wasserschutzpolizei scheint das nicht zu sehen, oder nicht zu interessieren, oder es ist ganz einfach üblich.
Außerdem passieren wir noch eine Brückenbaustelle - nicht ganz so gigantisch, wie die über den Mekong, aber auch diese ist beeindruckend.
Nach einer guten Stunde erreichen wir den ersten Markt. Hier sind noch einige Touristen anzutreffen, aber bei weitem nicht so viele, wie beschrieben. Meist werden Lebensmittel verkauft, die Händler docken jeweils bei ihren Kunden an - oder auch mal umgekehrt. Es ist ein interessantes Gewimmel, lebendig, und nicht auf Tourismus gemacht, wie die schwimmenden Märkte in Bangkok. Eine halbe Stunde weiter liegt dann ein deutlich kleinerer Markt, durch den wir mit unserem Boot 'schlendern'. Immer wieder müssen mal die Hände ran, um zwischen Booten hindurchzunavigieren, sich abzustoßen oder andere heranzuziehen. Leider meint Lap aber, daß wir nicht genügend Zeit hätten und so beenden wir den Besuch schon nach einer Viertelstunde.
Die Rückfahrt wirführt uns zunächst in einen Kanalfluß (canal river), der beschaulich vor sich hin fließt und durch die dichte Ufervegetation äußerst träumerisch wirkt. Wir tuckern so ganz gemächlich dahin, einmal zusammen mit einem anderen Boot, wobei sich die Bootsführer über irgendwas unterhalten. Den üblichen Ausflug auf eine Fruchtplantage schenken wir uns zugunsten der weiteren sehr beschaulichen Fahrt. Nach einiger Zeit sehen wir, daß die Flußrichtung sich umkehrt: wir waren bei Gegenströmung in den canal river eingefahren und bei einem Zufluß fahren wir auf einmal in Strömungsrichtung.
Das ist übrigens auch der Grund für den Pegelanstieg des Can Tho Flusses, den ich gestern beschrieben habe: Normalerweise fließt er IN den Mekong, am Abend drückt der Mekong aber anscheinend für einige Zeit so massiv in den Zufluß, daß sich die Fließrichtung umkehrt.
Danach genießen wir nochmals den ersten floating market, bevor es weiterhin gemächlich zurück zur Anlegestelle geht.
Am Nachmittag wollten wir den Mekong sehen und entschließen uns, dahin zu gehen. Es ist heute unglaublich warm: Deutlich über 30° im Schatten, und oft laufen wir ohne Schatten dahin. Wir erreichen schließlich den Strom und entschließen uns, mit einer der Fähren aufs andere Ufer überzusetzen. Kosten: 8 Cent für beide! Drüben ist es eher ländlich, weit weniger aufgeräumt als im großen Can Tho. Und sogar die Getränke sind teurer - sehr zu unserer Überraschung. Wir bleiben nicht lange, sondern nehmen die gleiche Fähre retour - natürlich sind wieder 8 Cent zu bezahlen und versuchen, einen anderen Weg in die Stadt zurückzulaufen. Nach etlichen Umwegen müssen wir aber feststellen, daß das nicht so einfach ist - also mehr oder weniger gleich retour.
Bei einem Café wollen wir noch kurz pausieren, und Erwins Bestellung eines heißen Kaffee mit süßer Milch mutiert zu einem Eiskaffee: kalter Kaffee mit Eisbrocken drin. Schwarz ist er und stark und kalt. Erst nach langwierigen Erklärungsversuchen versteht uns die Caféeuse und serviert den erwarteten Vietnamesischen Kaffee.
Morgen werden wir nach einem mehr oder weniger faulen Vormittag mit dem Speedboat den Mekong und seine Kanäle entlangbrausen - HCMC oder Saigon: Wir kommen.
Wo wir schlafen werden? Scheint schwieriger zu sein, als erwartet. Es ist jetzt wirklich Hochsaison und unsere Anfragen sind bisher negativ beantwortet worden. Mal sehen...
Freitag, 12. Dezember 2008
081212: can tho - gateway ins mekong delta
Die Pässe kamen wirklich um 21:30 an - Pünktlichkeit scheint also eine Zier in Vietnam zu sein. Erwin war schon am Einschlafen, ich mit Stirnlampe bewaffnet - was der Überbringerin einen kleinen Schock versetzte. Hat's aber überlebt.Gegen 04:20 war dann Ende der Nacht angesagt: Packen, Duschen, runter zum Moto. Wir waren etwas zu früh dran, aber der Teacher und sein Kumpel auch. Eigentlich hatten wir ja 05:20 verabredet - 20 Minuten vor der Abfahrtszeit des Busses - aber so ging's auch…
Bestens - denn wir kamen gerade zum Busterminal, als der Bus mit 20 Minuten Verfühung (!) aus dem Tor fuhr. Meinem Fahrer gelang es noch, ihn zum Anhalten zu bringen und nach einiger Diskussion und Bezahlung von 330.000 Dong (das ist nach landläufiger vietnamesischer Meinung das Doppelte des Fahrpreises von 170.000 Dong…) waren wir die einzigen Gäste. In einem - wieder mal - vorsintflutlichen Bus. Links Reihen mit 3 Sitzen (Breite für zwei Europäer ausreichend), rechts Reihen mit 2 Sitzen (ausreichend für 2 Asiaten oder einen - dicken - Europäer). Da wir genügend Auswahl hatten, nahmen wir die Plätze direkt hinter dem Fahrer ein - auf der Dreierreihe, natürlich.
Durch das noch dunkle Vietnam ging's dann über die Brücke und - kurz danach - auf einen Militärstützpunkt. Nein, wir wurden nicht zwangsverpflichtet, sondern da warteten so ca. 30 Soldaten auf ihre Heimfahrt. Jeder einzelne mußte separat bezahlen, wurde separat aufgerufen, mußte sich individuell in den Bus begeben - das dauert schon so einige Zeit. Wohl der Grund für die sehr zeitige Abfahrt. Nicht auszudenken, hätten wir diesen einzigen Bus am Tag versäumt!
Dann war's aus mit der Ruhe. Und der guten Morgenluft, denn alle rauchen, einschließlich Fahrer (der zwischenzeitlich mal rotzt und auf die Straße spuckt), dem Kontrolleur, den Soldaten - nur nicht den später zugestiegenen Frauen, die zu irgendwelchen Märkten oder gottweißwohin unterwegs sind. Sogar der Buddha an der Frontscheibe raucht: der Fahrer steckt ihm eine brennende Zigarette in eine Öffnung, die als Spende für Zigaretten dient - und so raucht der Keramikbuddha im Laufe einer Viertelstunde die gesamte Zigarette zu Ende.
Unsere Sitzplatzgestaltung hat leider auch bald ein Ende - und ein Soldat muß seinen Hintern neben zwei europäische platzieren … was ihm partiell gelingt. Hier ist Vorstellungskraft angesagt.
Unsere Fahrt führt nach anfänglichem Küstenverlauf dann schnurgerade - Dutzende von Kilometern ohne auch nur eine kleine Biegung - an einem Kanal entlang, ins erwachende Vietnam. Das geschieht unglaublich schnell - und bald sind wir im schönsten Verkehrsgewühl, meist von Motos, aber auch von Autos, Rädern, LKWs, anderen Bussen oder auch handgeschobenen Wagen. Und das alles bei einer Straßenbreite von 1,5 Autobreiten! Für uns, wohlgemerkt. Mit stetigem Hupen bahnt sich unser Fahrer eine Gasse durch die Menge, überholt, wenn möglich (oder auch nicht), nimmt von Zeit zu Zeit irgendwelche Leute mit, hält an Bedarfshaltestellen (die natürlich keine sind, aber trotzdem gefragt sind). Immer wieder mal kommen Frauen in den Bus, die versuchen, ihre Waren an den Mann resp. die Frau zu bringen - Lebensmittel, CDs oder die omnipräsenten Lotterielose - und steigen nach einigen Kilometern wieder aus, um in einem Bus der Gegenrichtung (auch ganz lokale Busse sind unterwegs) weiter ihrem Geschäft nachzugehen. Alles ein Chaos - aber alles funktioniert. Auch die stetige Fahrweise auf der linken Fahrbahnseite wird vom Gegenverkehr (meist) akzeptiert und nur selten muß unser Fahrer diese aufgeben. Nervengestählt wie wir mittlerweile sind, überstehen wir die 6 Stunden ohne bleibende seelische oder körperliche Schäden und kommen gegen 11:45 gut in Can Tho, der größten Stadt im Mekong Delta an.
Wo wir natürlich sofort von einer Horde Motofahrer empfangen werden. Gemütlich suchen wir ein Guesthouse heraus, Erwin handelt den Preis auf 10.000 Dong pro Person (ca. 0,45 cents) herunter und los geht's.
Das Guesthouse ist eigentlich ein Hotel, aber nach einigem Überlegen für die beiden Tage hier gut geeignet: liegt zentral, bietet alles, was wir brauchen in einer wirklich guten Qualität und ist preislich gerade noch erträglich.
Da ich frühstückslos bin (Erwin hat wenigstens ein Baguette gegessen und im Bus haben wir noch an einem trockenen, guten Fladenbrot geknabbert), suchen wir erst mal ein Lokal zum Mittagessen. So richtig gesegnet mit einer Menge von Restaurants scheint das Zentrum nicht zu sein - aber trotzdem haben wir bald was Passendes gefunden. Danach geht's zum (einzigen) Reisebüro der Stadt. Erwin möchte gerne die Mekong-Mündung sehen, zwar am liebsten von oben, aber wenn das nicht geht, wenigstens vom Schiff aus. Gibt es nicht! Wir könnten zwar - per Bus - zu einem Strand an der Mündung fahren - aber das ist natürlich nicht in unserem Sinn. Bleibt eine Fahrt zu einer weiteren Stadt im Delta. Nein - bieten wir nicht an, nur ein Schnellboot nach HCMC. Wie bitte? Ja, das braucht nur 3 Stunden. Wie bitte? 3 Stunden für 168 km auf dem Wasser, auf Kanälen, auf dem Mekong? Ja, das sei so. Ich glaube das mal nicht. Schließlich können wir uns auch nicht entschließen, 40 $ für den Besuch von floating markets auszugeben - das ist uns zu teuer. Mal sehen, was ohne Reisebüro möglich ist.
Etwas weiter finden wir dann die Firma, die das Schnellboot nach HCMC betreibt. Laut Angabe dauert die Fahrt wirklich nur 3:15 Stunden. Könnte eine Alternative sein. Der Preis für die Markets ist hier schon auf 22 $ gefallen.
Bleibt noch die Nachfrage bei einem Typen, der uns am Hotel angesprochen hat. 40 $ für ein privates Boot, zwei Markets, Rückfahrt auf einem canal-river (very beautiful), Besuch einer Obstplantage, einer Insel. No, 25 $ ist unser Limit für die etwas längere und anspruchsvollere Strecke. Und das bekommen wir auch. Bleibt - wieder mal frühes Aufstehen, diesmal aber erst um 05:30…
Das Boot nach HCMC buchen wir auch noch - für Sonntag. Damit ist die Logistik wieder mal festgelegt.
Sehr viel ist hier in Can Tho leider nicht zu sehen: am Horizont sehen wir die Baustelle der großen Brücke über den Mekong, die laut unserem Führer schon um 2005 hätte fertiggestellt sein sollen. Abends erfahren wir von einem Einheimischen, daß vor 6 Monaten beim Einsturz des Bauwerks 54 Arbeiter ums Leben kamen - die Fundamente hatten nachgegeben - und die Fertigstellung sich deshalb bis 2010 verzögern würde.
Außerdem sind wir total überrascht, daß sich in kurzer Zeit der Wasserpegel der Flüsse ganz deutlich angehoben hat. Zwischenzeitlich müssen sogar die Gehwege an der Uferpromenade überpült gewesen sein. Auch das sei - laut unserem Informanten - ein tägliches Ereignis und nicht eine Überschwemmung, wie vor vier Wochen: Morgens und abends steige der Pegel für jeweils 2 Stunden massiv an - Begründung zu kompliziert, für sein Englisch. Müssen wir uns also selbst überlegen … aber nicht mehr heute. Vielleicht erfahren wir morgen auf der Tour mehr darüber...