Donnerstag, 1. September 2011

Escape: In die Stille Portugals

Escape - ja, das war wirklich nötig. Grade den Umzug überstanden - aber nicht in ein 'normal' bewohnbares Haus, sondern in eine Baustelle, die uns täglich dazu zwingt, den grade mal zufälligerweise frei werdenden Platz auszunutzen. Zum Wohnen, Schlafen, für Interimstauräume des gesamten Inventars, etc. Nicht gerade eine Umgebung, in der wir während des gesamten Urlaubs wohnen möchten. Und zudem täglich von zwei zwar netten - unglaublich netten - und auch eifrigen Bauarbeitern ('the boys') mehr oder weniger in aller Herrgottsfrüh aufgescheucht werden.

Leben in - nicht nur auf - einer Baustelle. Bleibt - Flucht irgendwohin, wo es ruhig und warm ist (wenngleich auch Schottland während der letzten Wochen sich von einer mehr italienisch sommerlichen Seite gezeigt hat).

Eleanor hatte vor einigen Jahren schon mal die Algarve erkundet (ich schon vor ca. 40 Jahren - da bleibt kaum noch eine Erinnerung, und wenn, dann hat sich sowieso alles geändert) und dabei etwa 10 km von der Küste entfernt das nette Städtchen Silves ausfindig gemacht. Liebevolle Altstadt, maurische Burg mit episodialer (das mein ich so) Vergangenheit, ein Dom, nette Lokale mit gutem Essen und nur EIN Hotel am Platz.
'Skyline' von Silves: Der Dom und das maurische Fort
Der Tourismus spielt sich da im August ab, wenn das alljährlich stattfindende mittelalterliche Festival gefeiert wird. Dann kommen unzählige Busse mit Tagesausflüglern; sonst im Jahr kommen die Touristen grade mal für ein paar Stunden vorbei, um die Burg und den Dom zu besuchen. Wenn überhaupt. Gute Voraussetzungen für einen ruhigen Urlaub.

Am Mittwoch - Eleanor's Geburtstag - sollte es losgehen. Abflug von Glasgow Prestwick. Das ist ungefähr so wie Frankfurt Hahn (ich weiß, mein diesbezüglicher Witz hat einen Bart bis Paris - der Flughafen dort könnte genauso gut auch Paris Ost heißen) - hat mit Glasgow so viel zu tun wie - naja - ist halt auch, oder grade noch, in Schottland. Oder genauer ausgedrückt: Man fährt nach Glasgow, biegt a bisserl links (also Richtung Süden ab) und fährt, und fährt, und fährt, und wenn dann der Atlantik da liegt, dann ist dort (vielleicht) auch Prestwick. Das berühmte Prestwick. Denn das ist - ähnlich wie der John Wayne Airport in Orange County - der Airport einer Berühmtheit: Ein einziges Mal ist Elvis im vereinigten Königreich gelandet und ausgerechnet hier war das! Also nicht in Heathrow oder sonstwo, sondern im beschaulichen Prestwick, das eigentlich nur dazu gebaut wurde, den westlichsten Punkt der großen Insel mit einem Flughafen zu bestücken, damit die Transatlantik-Flüge nicht gar so lang würden. Denn nix gwieß woas ma ja ned, ob das Benzin noch reicht... Also ist Prestwick auch der Elvis Gedenkairport.

Also - nochmals - am Mittwoch ging's los. Wir hatten in Edinburgh am Abend zuvor Eleanor's Geburtstag vorgefeiert und dort übernachtet, was die Anfahrt etwas verkürzte. Georgie hatten wir bei Lindsay und Colin gelassen und er hat sich über die erneut neue Aussicht - diesmal auf den Firth of Forth - gefreut. Anscheinend hat es ihm gleich gut gefallen. Und er hat sofort die Wohnung in Besitz genommen, Vor allem das Bett, in dem er sich königlich in die Mitte legte und die beiden armen Bewohner zwang, sich um ihn herum zu drapieren... King George ist geboren.

Von der Fahrt nach Prestwick habe ich nicht allzu viel mitbekommen - es war der einzige Tag seit meiner Ankunft, der total verregnet war; bis wir da waren...

Eleanor hatte mir schon vieles über Prestwick erzählt, aber ganz so schlimm war's denn dann doch nicht. Die Security war recht gründlich - es gibt ja auch nicht allzu viele Passagiere - und die Damen bei Ryan Air noch viel mehr. Wir hatten jeweils nur Handgepäck dabei, in den angegebenen Maßen - aber leider war mein Teil 1 kg zu schwer und, schwupps, war ich 40 GBP los, da ich den Koffer samt Inhalt partout nicht dalassen wollte. Stocksauer war ich, hatte ich doch die Ryan-Air-Jacke mit den unendlich vielen Taschen an, die alle irgendwelches Schnickschnack aufgenommen hatten. Kam mir vor wie im Raumanzug und dennoch 40 GBP abgedrückt. Richtig stocksauer, also.

So sauer, daß ich auf dem Flug fast sofort eingeschlafen bin (was nicht unüblich ist) und mein Kindle statt dem Laptop auf dem Top des Laps gelagert war. So ändern sich die Zeiten - und mit der üblichen Zahl an Büchern hätten wir jedoch beide die 10 kg Gepäck-Grenze überschritten...

Auf dem Faro-Airport testete ich dann gleich die elektronische Einreise, bei der der Pass resp. der Personalausweis gescannt (geRFIDt) wird; so weit so gut. Dann kommt die kritische Phase - der Gesichtscheck - und da muß ich durchgefallen sein, denn der Computer wollte und wollte mein Gesicht partout nicht erkennen - oder zumindest als das durchgehen lassen, das auf dem Chip gespeichert ist. Fazit: Wiederanstellen an der normalen Schlange - ganz hinten und dann als letzter oder fast letzter grenzzuübertreten. Von Faro aus hatten wir einen Hotel-Shuttle organisiert, den wir nach einigem Suchen auch fanden. Der Fahrer schien recht kompetent, nicht nur, daß er jedes Hotel auf dem Weg fand, sondern auch in Straßen wendete, deren Breite die des Busses unterschritt. Subjektiv betrachtet. Bemerkenswert. Und so kamen wir dann schließlich gut in Silves an.

Also sind wir im einzigen Hotel in Silves gelandet. Zimmer mit Burg- resp. Domblick, aber nicht - wie bestellt - im oberen Stock und am Ende eines Korridors; wir wollen es ja wirklich ruhig. Im Zimmer entdecke ich gleich einen hübschen Blumenstrauß, den ich vorsorglich schon mal als Geburtstagsüberraschung bestellt hatte - richtig wunderhübsch, mal ganz anders, mal etwas portugiesisch - aber Eleanor will unbedingt noch ein anderes Zimmer anschauen, das uns als schlechter (weil ohne Terrasse) - nicht empfohlen wird. Schließlich bleiben wir beim ersten Zimmer - und dann sieht sie auch endlich die Blumen zu ihrem Geburtstag. Da war natürlich das Zimmer echt überragend geworden (immerhin war es sowieso eines der besten im ganzen Hotel).

Dann wollten wir natürlich noch ein nettes Geburtstagsdinner einnehmen. Bei tripadvisor finden wir einige Ratschläge und nehmen uns ein Restaurant direkt am Stadtplatz vor. Beste Kritiken. Auf dem Weg dahin können wir schon mal den Charme des kleinen Städtchens ausmachen - pittoreske Gassen, kleine Häuschen, etwas - einheimisches - Leben und nur ein paar Touristen. Das Dinner ist dann ein Indiz über die Verköstigung während der kommenden Woche: Zunächst wird ein Gedeck aufgefahren ('das müssen Sie nicht unbedingt nehmen...') mit einer Vielzahl an lokalen Goodies: von Oliven (für Eleanor) bis zu Prawns über alle möglichen vegetarischen und nicht vegetarischen Antipasti. Eigentlich waren wir da schon satt, mußten aber noch das Hauptessen abwarten: Wir hatten uns für jeweils einen Spieß entschieden (ist irgendwie eine lokale Eigentümlichkeit); Eleanor für Prawns und ich für eine Kombination aus Monkfish und Prawns). Die normale (was auch immer das sein mag) Größe hatten wir abgelehnt, als uns der Kellner diese angedeutet hatte... Was dann kam, war zweimal ein Essen für vier: Jeder Spieß war 30-40 cm hoch, voll bepackt mit Fisch resp. Schalentier und daneben gab's noch einen halb so großen mit Zubehör. So kam Eleanor zu einer Gesamthöhe von ca. 60 cm Prawns und ich auf die gleiche Fisch- resp. Prawnhöhe. Beilagen waren natürlich dabei nicht mitgerechnet. Normalerweise sind wir ja weniger die Freunde des Viel-Essens, aber das war wirklich außerordentlich lecker. Auch wenn wir bei weitem nicht aufgegessen haben.

Die anderen Abende haben wir mal Abstand von diesem Lokal genommen - sonst hätte uns Ryan-Air wegen außerordentlichem Übergewicht gegenüber dem Hinflug weitere Über'gepäck' Pfund abgefordert. Das Risiko wollten wir denn dann doch nicht eingehen.

Silves - nachts am Stadtplatz
Denkmal an die Hungersnot im Mittelalter
Silves ist auch in der Nacht einen Spaziergang wert - die typischen Häuschen und Gassen erscheinen im warmen Licht ganz besonders romantisch, die römische Brücke und ein Denkmal an eine mittelalterliche Hungersnot zeugen von der langen Historie der Stadt und am Stadtplatz tobt noch das richtige Leben - Fußball für die Kids und Jugendlichen der Stadt. Neben freiem WiFi Zugang für alle, die ein Internethandy oder einen Laptop haben. Und dort benutzen wollen - wir sind dabei, denn das hoteleigene WiFi hat so einige Macken.

Und - obwohl wir nicht in der Festung waren - kamen wir unvermutet in den Genuß eines Konzerts des London Gospel Choir. Wir hatten uns schon überlegt, das Konzert auf der Festung zu besuchen, haben dann aber einfach nicht mehr dran gedacht. Und weil die Festung alles überragt, der Chor unglaublich laut war, haben wir in ca. 1 km Entfernung bei geöffneter Balkontür ein wunderschönes Konzert erlebt, wohlig im Bett liegend, nur leider des Ambientes des maurischen Kastells beraubt. Dafür umso kostenloser...Gospel Night until Midnight.
Hauptstraße ... steil und entlang schöner Fassaden

Verwinkelt - nur von oben zu sehen, wie die Häuschen ineinandergeschachtelt sind

Kacheln - ein ganz üblicher Wandschmuck
Touri-freie Zone: EInsames Gehöft in der Gegend um Silves

Eine ist übriggeblieben - Windmühle bei Silves


Die nächsten Tage vergehen wie im Flug - eine Wanderung rund um das Städtchen in der hügeligen Landschaft der hinteren Algarve (nur eine einzige Windmühle ist übrig geblieben von der einstigen unendlichen Menge), ein Tag in Silves selbst mit der Touri-Tour durch Dom und Festung, eine Fahrt mit ÖPNV Bussen (die heißen hier Eva...) nach Lagos und dort entlang der schroffen Küste mit einem kleinen Boot und Captain Barbosa (von uns etwas nachge.j.deppt), kleinem Stadtrundgang mit Besichtigung des ersten europäischen Sklavenmarkts (ehrenhalber muß gesagt werden, daß er auch der erste war, der wieder aufgelöst wurde) und nachfolgender Besichtigung der Festung mit den vielen niedlichen Windspielen und einer Fahrt auf dem tidenabhängigen Rio Arade nach Portimao.


Mit Captain 'Barbosa' unterwegs an der zerklüfteten Küste bei Lagos

Erster europäischer Sklavenmarkt ... die Stricke zeugen von der unrühmlichen Vergangenheit

Lagos - Straßenbild

Einer meiner Favorites: Die Mobile-Ausstellung auf der Festung in Lagos 

Lagos - Festung

Wobei die omnipräsenten Störche nicht die geringste Notiz von uns nehmen. Wir aber von ihnen - sie sind einfach überall, auf jedem höheren Schornstein, auf Gebäuden, auf Kirchentürmen - und auf dem Ausleger eines Krans. Fünf Nester sind da drauf, alle belegt, und wir freuten uns schon über die Freundlichkeit der portugiesischen Unternehmer, die den Vögeln ein derart teures Utensil als 'Grundstück mit Aussicht' zur Verfügung stellen (vielleicht ein Grund für die Wirtschaftsschwäche des Landes, wenn schon Vögel die Arbeiten blockieren...). Aber unvermittelt bewegt sich dann der Kran doch und die Störche drauf mit. Völlig unbeeindruckt leben die dort oben und kreiseln so vor sich hin, wobei die am äußeren Ende des Auslegers lebenden schon mit ganz schönen Geschwindigkeiten umhergewirbelt werden. Macht denen aber offenbar nichts - Karussellfahren für Gefiederte. Zum Nulltarif, Familienjahresticket inklusive. In Portimao haben sie sogar offenbar das Sardellenfischen torpediert: da gab's noch vor einiger Zeit zig Fabriken mit riesigen Schornsteinen drauf - und auf denen wohnen jetzt, naturgeschützt, die lieben Störche. Keine Möglichkeit mehr, die Sardellen weiter zu bearbeiten. Keine Genehmigung, die Schornsteine abzureißen. Wir sind uns jetzt nicht ganz sicher, ob die Störche die Ursache für's Ende der Fischerei waren ('laßt uns mal alle Sardellen fressen, dann geht die Fischindustrie ein und die Schornsteine der Fabriken gehören dann uns; und uns bleiben ja sowieso noch die fetten Frösche...') oder nur deren Nutznießer. Ist auch egal, schön sind sie jedenfalls - ganz besonders in der Luft.

5 Storchnester auf einem Kran - in Betrieb (auch der Kran)

Auch auf dem Brückenpfeiler bei Portimao hat sich ein Storchenpärchen niedergelassen

'Feindliche Übernahme' nicht der Fabrik, aber wenigstens der Schornsteine
Denkt man an Portugal, denkt man auch automatisch an Korkeichen. Das erste Anzeichen dafür haben wir schon am ersten Abend gesehen: Einen Korkladen. Nein, da gibt's nicht Flaschenkorken in allen Größen, sondern einfach alles, was man sich vorstellen kann (und vieles, was wir uns bis dahin nicht vorstellen konnten) - aus Kork. Bis hin zu Kleidung - Korkröcke und -oberteile (Unterwäsche aus Kork haben wir doch nicht gesehen) - und logischerweise jeden erdenklichen Tourikrimskrams, Geldbörsen, Buchhüllen, Schlüsselanhänger usw. Hätte der Laden nicht schon geschlossen gehabt, wir hätten ihn wohl leer gekauft (oder doch eher nicht, denn irgendwie war das in der Masse doch ganz schön abschreckend). Und wo, bitte, sind nun die Eichen? Naja, ähnlich wie bei den Windmühlen - es gibt sie noch, aber nicht in der erwarteten Menge. Ich hatte mir Korkeichenwälder vorgestellt, ähnlich dramatisch beleuchtet wie Olivenhaine im Abendlicht. War aber nicht so - es gibt sie zwar und wir haben auch immer wieder die typischen Bearbeitungsschnitte gesehen, aber sie sind nicht überall - und schon gar nicht in irgendwelchen Wäldern zu finden.

Mittlerweile hatten wir uns mit dem ÖPNV angefreundet und die Eva-Fahrpläne ausgiebig studiert und getestet. Aber dennoch wollten wir noch ein bißchen weiter weg, ein bißchen mehr sehen. Also haben wir uns noch für zwei Tage ein Auto gemietet und sind Richtung Westen gedüst. Zunächst haben wir uns mal das Städtchen Monchique angeschaut und davor noch dessen Badeteil (!) und sind dann Richtung Westküste weitergefahren, bis nach Aljezur (nicht zu verwechseln mit Al Jazeera - das ist was ganz anderes). Immerhin hat das Örtchen ein altes Kastell zu bieten, enge pittoreske Gäßchen und einen wunderbaren Blick auf die Hügel der Algarve resp. den Atlantik auf der anderen Seite. Und wenn man genau hinschaut, dann kann man sich vorstellen, am anderen Ende Florida zu sehen (war nur eine Vorstellung, weil Eleanor's Freundin da drüben ein Haus hat und grade dort war).

Im Badeteil von Monchique - nein: da gibt's wirklich ein Heilbad!

In Monchique
Aljezur - durch eine Schießscharte in der Festung

Aljezur schlängelt sich entlang des Hügels und eines Flusses

Eine Atlantik-Bucht bei Aljezur
Das ist alles landschaftlich richtig reizvoll, insbesondere, weil wir den zweiten Tag dann Abschied von den Hauptstraßen genommen haben und uns manchmal unvermittelt auf ungeteerten Straßen in the middle of nowhere befanden. Mangels Navi und wegen fehlender globaler Wegweiser (die wenigen vorhandenen zeigen immer nur die nächsten paar Häuser an) mußten wir uns mal ausnahmsweise wieder ganz auf unseren Orientierungssinn verlassen - eine völlig neue, wiedergewonnene alte Erfahrung. Dennoch haben wir es auf diese Art bis nach Sagres geschafft und dann das Cabo de Sao Vincente besucht, den süd-westlichsten Teil des kontinentalen Europa. Ganz vage konnte ich mich noch an die Anfahrt erinnern - vor allem, weil ich damals eine Reifenpanne hatte und weit und breit kein Mensch zu sehen war. Da hat sich geändert. Gewaltig. Schon hunderte Meter vor dem Ende der Straße waren die Parkplätze voll, Busse standen rum zu hunderten und zigillionen Touris. Die alle die steil abfallenden Klippen sehen wollten. Vom Kap selbst ist nicht viel zu sehen - ein Leuchtturm und - wie gesagt - Menschen ohne Ende. Was mir den Besuch diesmal recht vermiest hat. Anyway - auch andere wollen da mal hin und schöne Andenken kaufen. Klar - einen diesbezüglichen Laden muß es ja geben ... und hunderte Meter entlang der Straße fliegende Händler und kleine Buden.

Eine der zig Buchten auf dem Weg nach Sagres

Europas süd-östlichstes Ende: Das Cabo de Sao Vincente
Bei der Rückfahrt nach Silves lassen wir uns wieder treiben, fahren die hübschesten Sträßchen, zeitweise an der Küste entlang, dann wieder entlang von Hügeln durch gottverlassene kleine Ortschaften. Portugal, wie es auch sein kann. Manchmal müssen wir dann doch irgendwelche Bausünden passieren - insbesondere einige Küstenstriche sind schon baulich vertotsündigt.

Da ist es doch wieder schön im beschaulichen Silves, bei einem vorzüglichen Abschiedsabendessen. Denn am nächsten Morgen geht's schon um 05:30 per Bus wieder zum Flughafen nach Faro. Eine kurze, letzte portugiesische Nacht und ein Heimflug ohne Übergepack und ohne Probleme.

Zuhause wartet dann wieder unsere Baustelle - es ist vieles passiert, aber es muß noch viel getan werden, bis wir endlich ohne Bauarbeiter in unserem Haus wohnen können.

Sonntag, 24. April 2011

Italien – April 2011

Rund um Ostern ist immer unsere Skifahrsaison. Ein bißchen spät im Jahr – wenn man erst damit anfängt und zuvor die Ski im verlängerten Sommerschlaf nicht aufgeweckt wurden – aber meist eine Zeit mit schönem Wetter, relativ wenig Menschen und immer noch genügend Schnee.

Heuer waren die Vorzeichen ein bißchen anders – logischerweise bei deeem vergangenen Jahr.
Eleanors Ferien begannen genau zwei Wochen vor Ostern – wodurch wir hofften, einem möglichen Osteransturm auf unser Skigebiet zu entkommen. Dies ist uns gut geglückt – s.u. Grund für die versetzte Ferienzeit ist die säkulare Ferienpolitik in Schottland, die sich nicht nach irgendwelchen christlichen oder sonstigen Feiertagen richtet (mit Ausnahme natürlich dem Royal Wedding, an dem sogar die Schotten frei haben / nehmen müssen).

Eleanor kam am Sonntag an; Abholung mit S-Bahn und BOB. Dank E10 und massiv gestiegenen Spritpreisen steige ich definitiv meine letzte Zeit in Tölz so weit es geht auf ÖPNV um. Verarschung ist ja gut – aber dann bitte richtig und nicht so tumb, wie in diesem Fall. Abends gab’s noch ein kleines Krambambuli-Dinner – wir wollten nicht mehr kochen – und morgens dann eine Überraschung: Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Es mußte VOR der Abreise geöffnet werden, denn es war ein Gutschein für drei Tage in einem Wellness-Hotel in Abano Terme – bei Padua. Und da mußte natürlich etwas mehr eingepackt werden, als geplant. Und einige Termine umgeplant.

Dieser Anreisemontag entpuppte sich so richtig als das Gegenstück zum sonnigen, prä-sommerlichen Wochenende: Naß, kalt, Regen. Also beste Voraussetzungen für die Anfahrt... In Österreich haben wir dann noch E10-frei getankt – thanks, nicht alle Länder sind derart bescheuert , wie wir. Der Brenner empfängt uns mit entsprechender Kühle, es ist aber immer noch erträglich. Doch je weiter wir kommen, desto nasser wird es. Die Auffahrt zum Karerpaß geht noch einigermaßen, aber dann ist es aus mit der winterlichen Schönheit. Die Pisten am Rosengarten sind nicht befahrbar (eigentlich sieht man gar keine Pisten mehr) und das auf relativ großer Höhe! Da herrschte noch jedes Jahr zuvor um diese Zeit ziemlich reger Skibetrieb. Keine guten Vorzeichen.

Entsprechend nett was dann auch der Empfang im Fassatal: Regen und noch mehr Regen. Wie heute nicht anders zu erwarten. Immerhin – sollte Skifahren nicht möglich sein – brauche ich keine Ausrede. Denn meine Ausrüstung habe ich ja eigentlich nur mitgenommen,  um den Schein des guten Willens zu wahren. Eigentlich bin ich auf eine skifreie Woche eingestellt, nach dem Kniedesaster letztes Jahr, der Androhung einer Knieprothese und den anderen ausgestandenen Wehwehchen. Aber wenn’s dann noch so saut – das kann ja heiter werden. Ein paar tausend Seiten Bücher habe ich ja dabei – aber ob  die dann reichen?

Immerhin ist unsere Pension nett wie immer, das übliche Zimmer ganz oben mit dem schönen Balkon ist reserviert und Aline begrüßt uns eher wie Freunde, denn als Gäste. Da wir ja relativ spät abgefahren sind und das Wetter nicht gerade zu einem Spaziergang einlädt, lesen wir noch im Zimmer, bis es Zeit zum Abendessen ist. Völlig überraschend hat es ein bißchen aufgeklart und wir können uns ohne Schirm auf den Weg machen. Zu unserem Standardlokal (da gibt’s zwar einige davon, aber es gibt halt auch eine Standard-Restaurant-Runde, auf der das erste das Standard-Standard-Restaurant ist): Geschlossen – chiuso – Saisonende. Sch…ade. Die nächste Pizzeria ist auch chiuso und so langsam dämmert es uns: Obwohl noch knapp zwei Wochen vor Ostern, ist Canazei geschlossen. Und das richtig. Alle Lokale haben zu, so gut wie alle Hotels und sogar in der Bar mit dem Pole-Dancing ist heute mal Ruhetag. Und darauf hoffen wir auch: daß montags halt doch eher mal Ruhetag ist. An einigen Restaurants ist das auch vermerkt. Also – morgen wird’s wieder besser, sicher normal… Für den ersten Abend finden wir immerhin ein (!) offenes Lokal, gehen mehrfach dran vorbei, weil wir noch nie drin waren und auch die Speisekarte nicht grade sehr attraktiv ist. Aber es bleibt uns nichts übrig – wir müssen halt rein, wollen wir überhaupt noch was essen. Denn auch der Supermarkt hat zu: geschlossen ab 19:10, wie jeden Tag, außer Donnerstag, da hat er ganz zu, den ganzen Tag. Und sonst immer zwischen 12:10 und 16:00. Ich wollte schon mal einen Verbesserungsvorschlag für die Öffnungszeiten machen – täglich unterschiedlich, aber da hat mich Eleanor nicht gelassen…

Im Lokal ist so einiges los – klar, wenn es das einzige aperto ist. Aber doch nicht so viel, wie ich eigentlich erwartet hatte. Wenn das ein Vorzeichen ist, dann muß heuer hier die toteste tote Hose sein. Und wie es dann mit den Pisten aussieht … checken wir mal morgen.

Immerhin – der Mond lächelt, als wir aus dem Lokal rauskommen; zwar nur ganz wenig, aber immerhin. Vielleicht ein gutes Zeichen?

Nächster Morgen: Prachtwetter! Sonne, blauer Himmel, ein paar vereinzelte Wolken und schon richtig Wärme am Morgen – wenigstens in der Sonne. Ich bin von der gestrigen Fahrt noch geschlaucht und bleibe definitiv im Ort – kein Skifahren. Außerdem kann sich Eleanor so schon mal auf der Piste austoben, ohne auf mich Rücksicht nehmen zu müssen.

Blick vom Balkon - links: Ciampac

Morgens beginnt dann noch alles gemütlich – eines der vielen mitgebrachten Bücher wird ausgelesen. Dann Balkonien – schöner kann’s gar nicht mehr werden: ein Traumpanorama mit Sonne pur. Eigentlich ist es mir zwar zu heiß (woww – merke: wir sind zum Skifahren da), aber das muß einfach ausgenutzt werden. Für einen Spaziergang durch das tote Canazei reicht die Zeit auch noch – ein paar Bilder werden geschossen, die ich schon lange mal machen wollte, aber aufgrund des sonst typischen Tagesablaufs (Aufstehen, Frühstücken, Skifahren, kaputt Ausruhen, Dinner) nicht geschossen worden sind. Bis heuer.

Bemerkenswertes Haus in Canazei - bemalt und gestaltet
Am Nachmittag kommt Eleanor zurück – ich dachte im Bikini, aber nein – euphorisch: Die Pisten sind alle, wirklich alle, offen, super präpariert und es gibt keine Leute drauf. Manchmal – so sagt sie – war es fast unheimlich, weil im Umkreis von Kilometern kein anderer Skifahrer zu sehen war. Dennoch – alle Lifte sind offen – das kann auch nur in Italien passieren. Sonst irgendwo – in Ösiland, D oder gar F hätten die einfach zugesperrt. Aber bis zum Nachmittag sei alles vorzüglich gewesen; erst dann wurden die Pisten weich – kein Wunder bei 25°C im Tal – auf 1500 m Höhe…

Blick auf Ciampac mit Flagge von Canazei
Abends gibt’s dann den wiederholten Check auf offene Restaurants. Um die Sache abzukürzen: Zwar hatten ja montags einige Lokale Ruhetag, das heißt aber nicht, daß sie am Dienstag geöffnet haben. Oder am Mittwoch. Oder sonst noch irgendwann. Die haben ganz einfach kein chiuso forever oder whatever long Schild ins Fenster gestellt. Bleibt eine Pizzeria, die sowohl gute Quattro Formaggi als auch Salate anbietet. Da sich den Rest der Woche nicht mehr viel ändert – überraschenderweise hat am Freitag zwar noch ein weiteres Restaurant geöffnet – nicht aber am Samstag…. reise ich am Sonntag als Vierkäse und Eleanor als Salatblatt ab. Für die nächste Zeit haben wir uns Pizzaverbot und Salatabstinenz (auch ich…) auferlegt…

Nach diesem Essen lachte der Mond schon ein bißchen mehr – da sollte ich doch morgen auch mal den Berg rauf und schauen, was mein malträtierter Körper noch zuläßt.

Gedacht, getan. Auf den Ciampac, Auffahrt in Alba di Canazei. Das eigentlich einfachste Skigebiet in der Gegend, mit der schwärzesten Talabfahrt. Die hatte ich noch nie gemacht, denn letztes Jahr hatte ich mich ja schon weiter oben ausgeheult. Über den Schmerz im Knie und die Unmöglichkeit von Linkskurven oder gar der Kontrolle über die Skier. Es ist ein weiterer unglaublich schöner Tag. Blauester (ich weiß…) Himmel, einige versprengte Wölkchen, um das Postkartenimage zu kreieren, Ein Halbtagespaß nur für das Skigebiet und eine offene Hütte, wo ich mich nach getanen Abfahrten mittags zur Ruhe niederlassen werde – und denen ich gleich mal meinen Schmöker da lasse, damit ich die vielen Nesbo-Seiten nicht mitschleppen muß.
Dann geht’s wirklich los: Skistiefel enger schnallen, Ski drunter, rüber zum Lift. Immerhin – das ging schon mal. Auch die Auffahrt mit dem Lift war problemlos – nicht anders zu erwarten. Oben dann – ein Traumpanorama: die Sella vor uns links davon der Langkofel und etwas weiter zur Rechten dann noch die Marmolada. Alles in strahlendem Weiß, unter stahlblauem Himmel, aufgelockert durch einige Wolken. Aber so gerne ich auch dieses Panorama bewundere – jetzt gilt es erst mal die allererste Abfahrt zu bewältigen. Und völlig überraschend läuft alles planmäßig; die Beine tun, was sie tun sollen, das Knie zwickt nur leicht und vor allem – ich sehe wieder richtig. Offenbar war das ein Problem des letzten Jahres, daß ich den Untergrund vor mir nicht mehr richtig taxieren konnte, wodurch sich der Automatismus des Skifahrens in einen Willensakt verwandelt hat. Offenbar hat die Behandlung oder die OP geholfen – es geht alles so wie früher. Mit Ausnahme der Kondition. Die ist schnell verbraucht, trotz wiedergewonnener alter Technik. Und wir sind so gut wie allein. Immer mal wieder muß die Liftmannschaft für uns einschalten – weil halt sonst niemand unterwegs ist. Mit Ausnahmen: wir beobachten zwei Skiwanderer, die abseits der Piste einen Gipfel erklimmen und gleich von der Pisten-Polizia geschnappt werden. Shit happens – aber wer’s halt darauf anlegt … und die Polizia hat wenigstens einmal was zu tun.

Ein Traumvormittag. Der nicht nur wegen der auslaufenden Halbtageskarte gegen 12:45 endet. Ein kleiner Mittagssnack  zum Wiederaufbau der Kräfte bei Eleanor wird noch genossen; dann geht’s ab auf die Sonnenterrasse und zu meinem Buch. Wo ich gleich einschlafe und fast sofort wieder von Eleanor geweckt werde, die gerade mal 2 weitere Stunden unterwegs war. Ich bin mittlerweile ein bißchen gebraten – eher schon well done, insbesondere im Gesicht. Aber das ist ja nichts Neues und auch alle Vorhaltungen von E bewirken da nichts (mehr).

Am nächsten Tag ist für mich Pause – ich fühle mich noch sehr geschlaucht und genieße einen weiteren Sonnentag auf dem Balkon mit meiner mitgebrachten Bibliothek. Eleanor kommt gegen 15:00 zurück – ist fast ständig unterwegs gewesen, sogar ohne Mittagspause und wohl an dem Tag so viel gefahren, wie es während der Hochsaison nur in einer Woche möglich wäre.

Nach den guten ersten Erfahrungen wollen wir nun auf die Langkofel-Seite und uns einen Vormittag am und um das Grand Paradiso austoben. Also Auffahrt zum Belvedere mit der Gondel von  Campitello di Fassa aus- das erspart die Traversale von der üblichen Canazei-Auffahrt. Und vielleicht ein bißchen Zeit. Leider gibt’s dafür keinen Halbtagespaß, also muß ein Tagespaß für das gesamte Dolomiti Superski gekauft werden. Der es aber wirklich wert ist. Auch wenn wir keine Sella Ronda machen, die Marmolada nicht besuchen und uns nur zwischen Sta. Cristina und Canazei bewegen – dieser Vormittag war es wirklich wert! Einfach schöne Pisten, exzellent präpariert, keine (fast) Mitskifahrer und Sonne pur. Dabei Pisten von einfach bis leicht anspruchsvoll – aber nicht wirklich tiefrot oder gar schwarz. Ganz einfach zu fahren und vor allem zu genießen. Auch wenn an der einzigen Engstelle mir einmal ein Anfänger den Weg versperrt (warum muß ich auch gerade da runter, wo noch jemand unterwegs ist) und ich aus der Bindung kippe, weil zu stark gestoppt. Und um alles Malheur gleich hinter mich zu bringen, versuche ich mich gleich noch an der nicht mehr optimalen Skicross-Piste, die sooo einfach aussieht und einen doch sooo schnell werden läßt. Und wenn dann wieder eine überhöhte Kurve zu bewältigen ist, das Tempo und die Anfahrt nicht stimmt, dann steht man mit dem einen Ski draußen und mit dem anderen einen halben Meter tiefer in der Steilkurve. Nettes Bild – Eleanor lacht sich fast zu Tode, während ich versuche, meinen festsitzenden rechten Ski irgendwie wieder loszubekommen und auf die Piste aufzusetzen. Es geht – mit viel Geschnaufe und Gestöhne und dem Versprechen (mir gegenüber), in Zukunft auf solche Ausflüge zu verzichten – auch wenn der daneben ausgesteckte Riesenslalom richtig gut zu fahren war. Skicross-Piste : ich meine euch in Zukunft.
Nach einem kleinen Lunch dann wieder das Übliche: Schlaf in der Hütte, Eleanor auf der Piste. Abfahrt wieder mit der Gondel und Postskirelax.

Dann ist schon Samstag, der letzte ganze Tag. Nach dem gestrigen High kann ich mir den Skitag nicht nehmen lassen, obwohl ich überproportional müde bin. Wir entscheiden uns wieder für den Ciampac, düsen da dutzende Malediverse Pisten runter, nehmen dazwischen mal einen Espresso in einer pittoresken Hütte ein, finden eine kleine, fellige Freundin – ein halbjähriges Kätzchen, das auf 2300m wohnt und wohl noch etwas die weite Welt da unten kennenlernen muß.  Und schließlich fällen wir noch eine Entscheidung für ein Abschlußhighlight: die schwarze Abfahrt ins Tal statt Gondel. Ich war sie ja noch nie gefahren – aber sie ist wirklich schön, vor allem in dem fast jungfräulichen Zustand. Vor uns waren höchstens mal eine Handvoll Leute runtergefahren, es ist steil und griffig – beste Voraussetzungen. Wir stoppen nur an unübersichtlichen Stellen und genießen den Abschied vom Skifahren in 2011.

Was uns entgeht ist der Saisonabschluß, der am Sonntag stattfindet. Da war schon am Samstag ein Pool aufgestellt, eine Rampe aufgebaut und da stürzen sich die Mutigen dann runter und versuchen, über das Wasser zu gleiten und auf der anderen Seite trocken an Land zu kommen. Was sicher nicht allen gelingen wird … und demnach sehr zur Erheiterung beitragen wird. Und zu einigen Erkältungen, die dann sicher präventiv mit einigen Grappa behandelt werden müssen… Feucht – und – fröhlich. Für den, der’s mag.

Am Passo Fedaia - im Hintergrund die Marmolada
Wir sind aber schon auf dem Weg zum Relaxen, nach Abano Terme. Der Fedaia Paß ist zwar offiziell geschlossen, aber wir erfahren durch Aline, daß er bis 13:00 befahrbar sei. Danach würden dann Lawinen abgesprengt. Wir sind also früh genug unterwegs und haben noch genügend Zeit, die Marmolada, das gesamte Skigebiet und den noch zugefrorenen See zu bewundern. Ein toller Abschied aus diesem wunderbaren Stück Erde. Der sich dann noch viele Kilometer (und einige Espressi) hinzieht, bevor die Gegend schlagartig flach wird. Und industriell. Es scheint, daß jedes zweite Hinweisschild auf irgendein Factory Outlet hinweist. Offenbar wird hier für alle Marken produziert: das China Italiens.

Schön ist das nicht, und langsam werden wir auch ein bißchen hungrig – aber offene Restaurants gibt’s nicht. Keine Bars sind mehr zu sehen, die Tankstellen haben auf 24 hore self service umgestellt. Also eher nix servicio. Irgendwann finden wir dann doch noch ein Schild zu – McDonalds. Da der offenbar das einzige offene ‚Restaurant‘ in Norditalien ist, ist alles überfüllt: der Drive In, der Parkplatz, die Schlangen vor den Kassen und die Räumlichkeiten. Dennoch gelingt es uns, bevor wir verhungern (ist zwar bei mir kein Problem, mit meinen vielen Reserven) etwas Essbares zu bekommen und auch hinunterzuwürgen. Immerhin: Es ist kein Salat und keine Quattro Formaggi!

Irgendwie sind wir jetzt in Castelfranco gelandet – an dessen Tangente das hervorragende McDonalds liegt. Der Ort entpuppt sich als kleines Kleinod an der Strecke. Und als wir auf dem Stadtplatz vor der Burg noch eine Ausstellung Oldtimer sehen, entscheiden wir uns zu einer Pause.

Ein Fiat darf in Italien natürlich nicht fehlen
Wie wohl die guten alten Holzräder auf diesen Straßen funktioniert haben?
Die sich wirklich lohnt. Das Städtchen ist noch ziemlich gut erhalten, trotz einiger moderner Geschäfte am Rande des Stadtplatzes. Der fast vollständig durch eine Ausstellung diverser Oldtimer ausgefüllt wird. Nach welchen Kriterien die Ausstellung organisiert ist, erschließt sich uns nicht – sie ist aber richtig nett. Und wir können einem der Organisatoren helfen, der auf ein Schild an einem uralt Chrysler übersetzen, das besagt, daß ein Chrysler niemals stirbt, sonden nur das Medium ändert…

Intakte Stadtmauer von Castelfranco
Danach besuchen wir noch den Kern der Altstadt, die von einer noch intakten Stadtmauer umgeben ist. Es ist schon richtig italienisch, gar nicht so, wie noch vor einigen Kilometern im Gebirge.

In einem Cafe in der Altstadt von Castelfranco
Bald danach kommen wir nach Abano Terme, nachdem wir die Tangenziale von Padua kennengelernt haben.

Wir hatten erwartet
  • Einen kleinen, ruhigen Badeort
  •  Mitten in den Euganeischen Hügeln
und kommen dagegen in eine ausufernde Stadt mit einem kleinen, altem Zentrum, und einem Badeteil (das Wort habe ich in Tölz gelernt), der riesig ist, vor Leuten trieft und vor allem mit nichtssagenden oder sogar verfallen(d)en Hotels gespickt ist. Unser Hotel finden wir erst mal nicht, auch ein Telefonat mit der Reception hilft nicht unbedingt weiter (fahren Sie noch ein bißchen und fragen dann nochmals…) aber schließlich kommen wir an – am Hotel Aqua. Erst später wird uns klar, warum niemand und auch das Navi das Hotel nicht kennen: Es wurde kürzlich renoviert und umbenannt… Hätte ja auch jemand mitteilen können.

Eleanor ist nicht gerade begeistert; trotz Renovierung blättert der Putz an manchen Stellen. Und ganz allgemein stellt es sich nicht so dar, wie auf der Website beschrieben. Dennoch – wir haben ja reserviert und bleiben. Schließlich – im Lauf der drei Tage – freunden wir uns sogar ein bißchen an und sind ganz glücklich, gerade da gelandet zu sein. Alternativen sehen wir vom Balkon (das Italia – das nur noch Tauben bewohnen) oder pseudo-moderne Architektur mit beleuchteten Außenaufzügen, etc.

Und da ist ja auch noch die Pool-Area – ein Becken mit Wohlfühlbadetemperatur – sogar für mich. Die Thermen machen es halt  möglich, auch wenn die Quellen runtergekühlt werden müssen, damit man es im Wasser aushält. Auf dem Weg zurück geraten wir dann noch in die Sektion (wie wir es nennen) Folterkammern: das sind düstere Kabuffs im Erdgeschoß, die wohl auch gut nach Abu Ghuraib oder Guantanamo passen würden. Wer sich da behandeln läßt, muß ein echter Masochist sein… Die neueren Behandlungszimmer sind im ersten Stock untergebracht; die Sauna ist zwar angeschrieben – finden können wir sie aber nicht. Macht nix, das Wetter ist eh zu schön dafür.

Abends machen wir uns auf den Weg zu einem netten Restaurant, das wir natürlich erst suchen müssen. Wir schlendern über den Markt mit seeehr vielen Leuten, erkunden die Stadt ein bißchen und … déjà vu – da gibt’s kein Restaurant. Alle essen in ihren Hotels und demnach sind zwar einige Bars geöffnet, aber das war’s dann auch. Schließlich entdecken wir völlig abseits in einer kleinen Nebenstraße eine Pizzeria, wo es dann etwas Undefinierbares (für Eleanor) und Quattro Formaggi (!) für mich gibt. Das Leben so mancher guter Vorsätze kann erstaunlich kurz sein…

Am nächsten Tag wollen wir Padua erkunden. Uns ist nicht allzu viel bekannt, außer daß es sich um eine alte Universitätsstadt handelt… Zuvor genießen wir noch das wirklich außerordentlich gute Frühstück in unserem Hotel und nehmen dann den Bus nach Padua Centro. Kosten € 1,50 p.P. Erträglich. Überraschend, daß dann abends die Rückfahrt € 3,00 p.P. kostet. Begründung: Wir hätten das Ticket im Bus gekauft und da sei es teurer. Haben wir zwar auch auf der Hinfahrt – aber wer versteht schon die Italiener und – noch schlimmer – die Politik des jeweiligen ÖPNVs…

Das Zentrum von Padua wird vom Duomo dominiert (klar doch, daher kommt ja auch das Wort). Zwar ist er ein bißchen eingerüstet (wie halt so gut wie jeder Duomo oder auch Dom) aber wie wir ihn so gegen die Sonne sehen, könnte er genausogut in Istanbul stehen und als Moschee durchgehen. Die Mischung vieler architektureller Stilelemente – Kuppeln, minarettartige Türme – die Symbolik – byzantinischeh Kreuze – ist schon sehr eigenartig. Aber irritierend schön. Drinnen darf nicht fotografiert werden, außer man ist Italiener und versteht die Schilder nicht. Ich halte mich halt mal dran.

Der Multi-Stil Duomo von Padua
Der Dom ist dem heiligen Antonius gewidmet, der im 13. Jahrhundert lebte (anscheinend gibt es im Katholizismus diverse Heilige des gleichen Namens). Sein Grab ist das Ziel vieler Besucher und selten habe ich eine derartig inbrünstige Hingabe an ein Grabmal gesehen, wie in dieser Kirche. Der Schrein wird gestreichelt, geküßt – alles in der Hoffnung, daß irgendein Wunsch in Erfüllung gehen möge. Für einen Agnostiker wie mich einfach unbegreiflich.

Statuen von wichtigen Stadtbürgern...
Im absoluten Zentrum der Stadt liegt ein Park, der mit Figuren bedeutender Menschen / Stadtbürger gestaltet ist. Man erkennt hier wieder die göttliche Ordnung, nach der nur Männer positive Resultate hervorbringen (können); sonst wären ja auch einige Frauen unter den Statuen zu finden… Eine Skulptur hat es mir besonders angetan: Auch wenn’s nicht so ist, so sieht sie doch aus, als würde gerade eine Gehirnoperation vorgenommen … da war doch kürzlich mal was.

Auch 'ne Art, ein Gehirn zu operieren...
Die weitere Erkundung der Innenstadt bringt uns zu wunderbar restaurierten Gebäuden, in denen sich oft namhafte Marken niedergelassen haben. Es wimmelt von preiseliminierten Auslagen und manchmal ist schon ein Schnäppchen zu sehen, wenn eine Damentasche einfacher Bauart nur € 1.499 kostet. Dafür bekommt man außerhalb schon zwei gebrauchte Fiats…

In die Aula der Universität haben wir uns dann aber wirklich verliebt: sie wird von Gedenktafeln an tausende großer Persönlichkeiten geziert, die Ihren Abschluß an dieser alt-ehrwürdigen Uni gemacht haben. So langsam dämmert es mir, daß mir wohl in meiner Studentenzeit einiges entgangen ist, weil ich sie ja komplett außerhalb der Uni zum Geldverdienen verbracht habe… Aber daran kann jetzt auch nichts mehr geändert werden.

Prächtige Aula der Universität
Gegen Spätnachmittag verabschieden wir uns aus der netten Stadt,

Abschied von Padua
nehmen den ÖPNV Bus zurück (mit den erwähnten Preisunterschieden zur Hinreise) und genießen den Spätnachmittag am Pool im Hotel. Nach den Erfahrungen des gestrigen Abends haben wir uns entschlossen, das Dinner im Hotelrestaurant einzunehmen; vor allem aufgrund der guten Erfahrungen des Frühstücks. Und so ganz daneben können die ja wohl auch nicht liegen, weil es ja ein Buffet gibt…

Denkste. Da wird geschubst, gedrängt, vorgewühlt, als ob’s das letzte Essen des Lebens wäre. Und das beileibe nicht durch die Italiener, sondern Deutsche, Schweizer, Russen haben sich zu einem Kampf ums Buffet entschlossen und stehen den auch durch. Wir entschließen uns, den Scharmützeln aus dem Weg zu gehen und nur noch nach der Erstürmung des jeweiligen Gangs unsere Rationen abzuholen. Dafür bleiben uns auch blaue Flecken und anderes erspart. Nicht aber das Essen selbst… Für den Hauptgang Fisch habe ich nur ein ‚nicht zu überbieten‘ übrig: Es ist mir völlig unverständlich, wie man einen Fisch so zubereiten kann, daß er nach gar nichts mehr schmeckt (die vielen Wasser zur Auswahl sind alle deutlich geschacksintensiver), nicht mehr nach Fisch aussieht und keinerlei Konsistenz mehr aufweist. Geschmacksfreies Fischpuree ist noch der Ausdruck, der diesem Gang am nächsten kommt. Immerhin sind wir satt – und es waren weder ausschließlich Salat noch irgendein Anzeichen von Quattro Formaggi zu sehen.

Für den nächsten Tag haben wir uns eine kleine Wanderung in den Hügeln vorgenommen. In der Tourist Info sind wir total überrascht über die Vielzahl der Vorschläge, der ausgewiesenen und beschilderten Wanderrouten. Es liegt eine Broschüre auf, in der die Wanderungen beschrieben sind und jede einzelne ist nochmals auf einem kleinen Mitnahmefaltblatt exakt beschrieben. Einen derartigen Service hatten wir weder erwartet, noch irgendwo sonst angetroffen. Wir entscheiden uns für eine kleine Wanderung über 2 Stunden rund um einen der Hügel – den Monte Grande. Da ist der Name ein bißchen zu weit hergeholt… aber immerhin ist das Terrain meinem Knie und der aktuellen Konstitution angepaßt. Die hügelige Gegend ist in ihrem frühjährlichen Kleid wunderschön, nur ist der Weg selbst so bewaldet, daß davon kaum etwas zu sehen ist. Nach kurzer Zeit finden wir direkt am Weg einige Skulpturen, deren Sinn sich uns nicht erschließt. Fast wären wir vorbeigegangen - sie sind nicht auf den ersten Blick zu sehen, und es sind auch nur einige wenige, die den Weg säumen....

Skulptur am Wegrand des Monte Grande
Dennoch ist der Spaziergang in der schönen Natur und bei wunderbarem Wetter ein schöner Abschluß unseres Italien-Aufenthalts.

Am Ende, in der Hütte am Passo Fiorino, machen wir noch Bekanntschaft mit zwei netten Katzen – einer kleinen langhaarigen, die wir auf grade mal ein halbes Jahr schätzen, und einem Koloß, der wohl Vater oder Mutter der Kleinen ist. Na – wir werden informiert, daß die Kleine die ‚Mama‘ des Großen (figlio) ist. Kaum zu glauben, aber so ist es mal.

Il figlio
Abends finden wir schließlich doch noch ein Lokal, zwar wieder eine Pizzeria, die aber über eine 200 seitige (annähernd) Speisekarte verfügt. Wir sind schon fast am Verhungern, bevor wir noch durchgeblättert haben. Das Mahl ist aber ganz ansprechend und (laut Eleanor) auch die Musik. Mit Zucchero werden wir verabschiedet...

... in eine stürmische, gewittrige Nacht. Sogar der Himmel grollt uns, weil wir abreisen werden.

Am nächsten Morgen reisen wir dann ganz gemütlich zurück. Und je weiter es geht, desto weniger italienisch ist das Wetter. Der Brenner empängt uns mit 4° und schließlich ist das Highlight am Achensee erreicht: 1,5° und Schneeschauer. Ich hatte die Hoffnung nicht aufgegeben und bin in Shorts unterwegs. Aber nach dem sonnigen (in jeder Hinsicht) Urlaub spielt das nun keine Rolle mehr.

Mittwoch, 15. September 2010

Buda-Pest

Buda-Pest -

na, das wußte ich auch nicht: das sind zwei Namen, die irgendwann zum bekannten Budapest zusammengefaßt wurden. Wie schon öfters erwähnt: Reisen bildet … sofern man welche unternimmt. Also erst mal der Reihe nach…

Regen, Regen, Regen – schönstes Daheimsitzwetter nach meiner Entlassung aus dem Klinikum Großhadern. Gut – um Depressionen zu bekommen, die Ferien untätig an sich vorbeiziehen zu lassen, gut also für … eigentlich gar nix. Eigentlich – ja, da war am Anfang der Ferien noch die Planung einer Transalp, die aber dann nicht nur wegen meiner gesundheitlichen Probleme, sondern auch wegen des Dauerregens ins Wasser gefallen wäre.

Und irgendwann sind auch sechs Wochen Ferien – fast – zu Ende. Und nix ist passiert – außer Krankenhausaufenthalten, ungeplanten und zusätzlichen Schottland- und München-Flügen und viel Besuchen in Großhadern. Als dann wirklich nur noch etwas mehr als eine Woche bleibt, steht der Frust schon so weit oben … daß wir einfach Sonne suchen müssen.

Passiert ist das an einem Abend. Eleanor am Notebook, ich am PC – beide checken wir emails und suchen dann – nicht abgesprochen - die nächste Gegend mit Sonne. Nach einigen konzentrischen Kreisen mit wachsenden Radien um Tölz herum werde ich schließlich fündig: In Budapest scheint die Sonne während der kommenden Woche; und außerdem war ich da noch nicht. Schnell noch Verbindungen gecheckt: Flug kommt preislich nicht in Frage, die DB offeriert aber ein bezahlbares Europa-Special.

Also – eine Fluchtmöglichkeit gefunden: ‚Eleanor, there will be sun in Budapest next week…‘ Antwort: ‚I am just looking for hotels!‘ Woww – gleiche Idee zur gleichen Zeit mit identischem Ergebnis. Und als dann noch ein ***** Landmark Hotel zu einem super-duper-dumping-Preis angeboten wird, wird sofort gebucht.

Und am Dienstag geht’s morgens in aller Früh nach München und dort in den Rail-Jet der ÖBB nach Budapest. Dank günstiger Preise ist er ziemlich voll, aber wir haben deshalb 1. Klasse gebucht und sind baff erstaunt über die Qualität, den Komfort und den Service, den die Ösis in diesem Zug bieten. So wird uns die Zeit von über 7 Stunden auch nicht allzu lang – auch weil sich das Wetter sukzessive bessert.

Wir düsen durch schönste Alpenlandschaften, wenden in Wien, sind in der Ebene des Neusiedler Sees (alte Skating-Erinnerungen werden wach) und passieren schließlich die Grenze nach Ungarn.
Wo offenbar schon noch einiges zu tun ist. Baulich. Mehr sehen wir ja nicht. Aber vieles andere schon getan ist – wie etwa die wirtschaftliche Übernahme: Zunächst sehen wir mal baff erstaunt eine Tesco Filiale, die ich noch aus dokumentarischen Gründen fotografieren wollte. Dann aber nimmt’s überhand: Aldi, Lidl, Obi, Edeka, Ikea & Co überall und omnipräsent. Anscheinend gibt’s gar keine ungarischen Geschäfte mehr. Früher nannte man sowas Kolonialisierung, heute ‚friendly take over‘ (das friendly nehme ich mal an). Und ich meine das nicht in Bezug auf eine Firma, sondern auf das ganze Land.

Dann Ankunft in Budapest Keleti – ein imposanter Sackbahnhof, mitten in der Stadt. Natürlich für weniger und vor allem für kürzere Züge gebaut – aber so strahlt er etwas k&k Charme aus. Von dort aus ist’s nicht mehr weit zum New York Palace, unserem Domizil für die nächsten Tage. Wenn auch nicht weit, aber doch warm. Und mit Gepäck – auch wenn’s nicht viel ist, aber die Fotoausrüstung wiegt ja immer doch so einiges – etwas schweißtreibend. Aber – das Wetter ist gut! Endlich wieder. Flucht geglückt.

Das New York Palace von innen
Nach kurzem Fußweg stehen wir also da – vor dem NY Palace – und staunen. Es war ja als außergewöhnlich beschrieben – aber das ist es auch wirklich, oder sogar mehr. Wo andere, moderne Hotels ein überdimensioniertes Atrium haben und dahinter Standard(zimmer), da ist hier überall Architektur, feinstes Design und elegante, große Zimmer (auch wenn wir nur ein ‚Standard’zimmer bewohnen). Es gibt noch nicht mal ein reception desk – das würde einfach nicht in die Eleganz reinpassen. Stattdessen werden wir an einem Tisch eingecheckt, auf dem grade mal einige Laptops mußstehen. Immerhin, dieses Attribut an moderne Technologie muß sein. Im Zimmer möchte ich mich erst mal ausbreiten und gar nicht mehr raus – was aber dem Grund für die Reise widersprochen hätte.

Also machen wir uns mal auf, zu Fuß die Umgebung zu erkunden. Und landen bald in der Fußgängerzone nachdem wir am bereits geschlossenen Pariser Hof vorbeigekommen sind. Der wird für einen der nächsten Tage aufgehoben. Unterwegs kann ich nicht umhin, einen ungarischen Segafredo zu testen. Ist wirklich gut, nicht wirklich billig aber die Kassiererin dafür richtig üppig. Als ich ihren als Rock getarnten Gürtel sehe, weiß ich gar nicht mehr, wo ich gefahrlos hinschauen könnte (Am besten auf den Boden und in die Geldbörse) und übersehe dabei ihr extrem ausladendes Oberteil, das mir – laut Eleanor – gefährlich nahe gekommen ist. Ich werde wohl langsam alt…

Auf der Donau ist – wohl dank dem Hochwasser – kaum Schiffsverkehr, was aber dem Blick auf die Buda-Seite keinen Abbruch tut: Da glänzt der Burgpalast im schönsten Abendlicht, der Gellertberg grüßt und überhaupt sind wir richtig angetan von den Brücken, insbesondere natürlich der Kettenbrücke.

Am freien Platz vor dem Sheraton spielt ein Glaskünstler auf partiell gefüllten Weingläsern virtuos bekannte Weisen aus der Musikgeschichte – so gut, wie ich noch nie einen Straßenkünstler gehört habe. Nach Sonnenuntergang haben wir die Qual der Wahl eines Restaurants, was sich dank der Menge an möglichen Dinnerplätzen als fast unmöglich herausstellt. Schließlich landen wir – mehr überredet als überzeugt – in einem hübschen Lokal und essen vorzüglich.

Das war schon ein recht gelungener Einstieg in den Kurzurlaub.

Das Frühstück übertrifft unsere Erwartungen natürlich nicht – ein Hotel dieser Klasse hat einfach alles, aber auch wirklich alles zu bieten, wonach einem der Sinn steht. Deshalb dauert das Frühstück fast noch länger, als mein durch Lektüre in die Länge gezogenes Zuhausefrühstück (wenn ich allein bin). Budapest muß einfach noch ein bißchen warten.

Die Fischerbastei auf dem Burgberg
Wir haben uns für heute erst mal den Burgberg vorgenommen – und wollen die Stadt erlaufen. Auf dem Weg dahin passieren wir den Espressoladen, den ich aber geflissentlich links (naja, rechts) liegen lasse. Zu gefährlich. Nach der Brücke geht’s dann langsam den Berg hoch – erst zur Fischerbastei, einem etwas unwirklich erscheinenden Bauwerk. Es ist so eigenständig, daß es zwar vom Stil her ein Bruch zum Rest des Burgbergs ist, aber dennoch ein kleines Zauberwerk darstellt. Dort ist auch einer der schönsten Blicke der Stadt zu bewundern: Über die Donau hin nach Pest und dort dominiert das Parlamentsgebäude mit 270 m Länge und einer Höhe von 96 m das Ufer.

In der Matthiaskirche
Hinter der Fischerbastei ragt die Matthiaskirche in den Himmel – ein Bauwerk, dessen beeindruckende Schönheit schon äußerlich durch das wunderbar geflieste Dach dokumentiert wird. Im Innern herrscht im Gegensatz zu der äußeren farbigen Fröhlichkeit ziemliche Dunkelheit vor – ein kleiner Schock nach dem gleißenden Licht draußen. Deshalb kommt aus meiner Sicht die Bemalung des Inneren – und jeder noch so kleine Fleck ist bemalt – nur bedingt zur Geltung.

Danach erkunden wir etwas unschlüssig die Umgebung – sie gefällt uns trotz der Zigillionen von Touris recht gut. Wir wandern vor zur Burg, erkunden die Gebäude, lassen aber die Museen in Ruhe vor sich hin museeieren. Dazu können wir uns einfach nicht durchringen. Nach einem kleinen Snack erkunden wir den nördlichen Teil des Burgbergs und sind total begeistert von den kleinen Häusern, den schnuckeligen Verzierungen, den Hinterhöfen, der Ruhe (keine Touris). Bilderbuchumgebung. Sogar die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland ist nicht ein dominanter Neubau, sondern ein altes, hübsches Gebäude völlig im Stil der Umgebung.

Einen großen Kreis laufend kommen wir wieder zurück Richtung Fischerbastei. Wobei wir dann ein architekturelles Sakrileg in Augenschein nehmen: Schon von der anderen Seite war uns das häßliche Hilton aufgefallen; daß das aber nahtlos in ein bestehendes altes Gebäude eindringt ist eine wirkliche Todsünde! Da hilft wirklich nur eine Sprengung – oder sind die Ungarn wirklich auf derartig obszöne Investitionen angewiesen?

Ziemlich planlos erkunden wir jetzt einfach weiter die Stadt, sehen uns das Parlament aus der Nähe an und landen schließlich an der Stephans Basilika, vor der eine christliche Jugendgruppe grade für eine Aufführung zur christlichen Erlösung probt. Was es nicht alles gibt… Offenbar ist die Basilika einem anderen Gott geweiht, als die Matthiaskirche, denn Eleanor muß sich wegen ihres 'sexy outfit' mit einem Schal verhüllen. Beim Matthias waren die Sittenwächter noch der Meinung, daß das T-Shirt mit Ärmeln keine sexuelle Belästigung Gottes darstellen würde und haben sie ohne weiteres passieren lassen. Aber mit nackten Ellbogen in eine Kirche rein - wohin kämen wir denn da noch!

Als Lokal für das Dinner hatten wir uns das ‚Mini‘ rausgesucht, das sich durch Miniportionen erlesener Gerichte auszeichnet, wovon man einfach mehrere essen kann (damit a bisserl wie eine Tapas-Bar). Da wir von der ganzen Latscherei schon so ca. 4-7 cm geschrumpft sind, nehmen wir ein Taxi zum Restaurant. Wir werden wieder mal positiv überrascht – vorzüglicher Service, stimmungsvolle aber nicht aufdringliche Musik und exzellenter Geschmack. Macht Lust auf mehr … morgen.

Morgen – ein Morgen mit noch schlaffen Gliedern und Knochen, die einem schon beim Gedanken an Fußmarsch zum Kochen bringen. Jetzt haben wir aber noch lange nicht alles gesehen – was also tun? Abhilfe könnte der hop-on hop-off Service leisten. Auch wenn’s bei den hübschen Mädels des Service mit den hop-on hop-off T-Shirts einen etwas sonderbaren Eindruck machen sollte: das ist ein Bus-Service. Mit einer Route, die alle wichtigen Sehenswürdigkeiten streift und vielen Haltestellen (den sog. hop-on hop-off stops), an denen man Aus- und Zusteigen kann. Hilft also, die Wege zu minimieren. Wenn man ihn exzessiv nutzt. Erster Stop: der Gellertberg. Noch ein Traumblick über die Stadt. Und auch ein bißchen kürzer zurückliegende Geschichte – was am Befreiungsdenkmal deutlich zu sehen ist.

Blick vom Gellertberg auf den Stadtteil Pest

Weiter bussen wir nicht, sondern gehen. Was zwar nicht im Sinne des Service ist, aber uns den Gellertberg und die Quelle erschließt, an der der heilige Gerhard (Gellert), einer Legende zufolge, in ein Fass gesperrt und den Abhang hinunter in die Donau gestürzt wurde. Ganz schon martialisch die prächristlichen Ungarn. Aber – es ist ja nur eine Legende…

Am gegenüberliegenden Donau-Ufer liegt der Anlegeplatz für unsere Schiffahrt, die im hopping Ticket eingeschlossen ist. Meine Füße danken’s dem Veranstalter. Donauaufwärts ist es leider ein ziemlich kleines, sehr (über)gefülltes Bötchen. An der Anlegestelle der Margareteninsel nehmen wir Reißaus und erkunden diese. Auch sie hat eine etwas (un)selige Geschichte: Im Falle eines Sieges über die Tataren versprach König Béla IV. von Ungarn, seine Tochter Margarete als Nonne in das Dominikanerinnenkloster auf der Insel zu schicken. Nach dem Sieg der Ungarn löste er sein Versprechen ein. Dort starb seine Tochter schon im Alter von 35 Jahren und wurde bald darauf selig gesprochen – und die Insel nach ihr benannt.

No ... Sex on the toilet
So ganz selig sind wir nicht auf der Insel. Sie ist zwar nett, ganz nett zum Spazierengehen und Relaxen, aber … halt nix für uns. Heute. Wir kommen an das Bad, in dem gerade die Europameisterschaften im Schwimmen ausgetragen werden, treffen auf eine britische Teilnehmerin und suchen eine Kleinigkeit zum Essen. Dabei sehe ich an der Tür zur Damentoilette eines Restaurants eines der urigsten Schilder, die ich je gesehen habe. Verboten ist – vieles – und zuletzt auch noch Sex auf der Toilette. Schön piktogrammatisch dargestellt. Ein Foto wert.

Danach geht es – auf einem anderen Schiff – zurück zu unserer Anlegestelle. Von Markus wußten wir schon, daß der Markt sehenswert sein sollte – und das ist er auch. Turn of the Century Architektur, mit viel frischen Lebensmitteln und noch mehr überflüssigem Touri-Dingsgebumse. Zwar bin ich versucht, für Eva und Markus ein (aus meiner Sicht) passendes T-Shirt (Game Over mit einem Hochzeitspaar) zu kaufen, darf aber nicht und belasse es bei einem Bild. Das dient dann später als Zierde für einen Gutschein wegen Georgie-Betreuung… Immerhin irgendwie hab ich’s dann doch noch untergebracht.

Dann erwandern wir – wir sind ja im Besitz eines sog. Bustickets … - die Stadt noch ein bißchen, bis wir wieder ein hopping-Terminal sehen. Daß wir wieder den Bus nehmen, erweist sich schließlich als schlechtere Lösung: dank Verkehrschaos in den Abendstunden ist jeder Fußgänger deutlich schneller unterwegs. Wozu wir uns dann auch entscheiden – aber, Murphy sei’s geklagt, von da an ist kein Stau mehr in Sicht; das Chaos muß also an uns gelegen haben. Wir ergattern – kurz vor Geschäftsschluß – noch je einen Nespresso im Shop, nachdem wir versichert haben, daß wir Mitglieder des Nespresso-Clubs seien (was wir auch sind).

Das NY Palace in der Nacht
Nach weiteren diversen abgelaufenen Sohlen (schließlich auch an den Füssen) landen wir wieder im NY Palace und spülen beim Duschen die Müdigkeit den Abfluß runter und regenerieren die fast toten Zellen. Abends gibt’s noch ein Farewell-Dinner beim Mini – und dann ist schon wieder Schluß mit Budapest.

Ein gemütliches Frühstück gibt’s noch, dann den bekannten Weg zum Bahnhof Keleti, wo wir auf den Ösi-Zug warten. Unsere Reservierung bedeutet, daß wir ab Wien gegen die Fahrtrichtung sitzen würden. Abhilfe schafft die Premium Class der ÖBB: nur 3 Sitze im Abteil, Super-Service bis München mit Snacks, Getränken und Zeitungen. Da vergeht die Zeit im Flug (?) und langsam können wir uns wieder an den Regen gewöhnen – sukzessive wird’s schlechter und zuhause begrüßt uns eine uferlose Isar, getränkt durch Dauerregen.

Sonne gab’s also nur in Budapest – was allein schon die Reise wert gewesen wäre.

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Link zu den Bildern -->.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Finale

Jetzt sitze ich irgendwo hinter Bagdad in 10.972 m Höhe und sehe mir die Wüste mal wieder von oben an. Ein etwas ungewöhnlicher Platz, einen Blogeintrag zu schreiben, aber nicht so ungewöhnlich, am Ende einer Reise.

Die letzten Tage sind eher ruhig verlaufen – teils auf das zunehmend schwülere Klima zurückzuführen, teils einfach darauf, den Besuch zu einem Besuch von Viola und Michael zu machen und nicht ausschließlich zu einem Dubai Trip.

Nach der Umwegepisode bei der Rückkehr aus dem Oman bin ich erst mal nicht sehr gewillt, meinen Lancer nochmals in den Unbilden der Dubaianischen Verkehrsführung zu bewegen. Deshalb beschließen wir, einen gemütlichen Tag zu verleben und am Nachmittag das Auto in seiner Dollar-Heimat zurückzugeben. Michael hat noch etliche Kleinigkeiten aus dem Baumarkt zu besorgen; das können wir dann auf dem Rückweg erledigen.

Immerhin gestaltet sich die Rückgabe meines Interimvehikels – das mir ja über 1800 km so gut es halt konnte gute Dienste geleistet hat – nur teilweise kompliziert. Aus Erfahrung klug geworden (wenn dem nur so wäre) fahren wir beide Autos erst mal auf den Parkplatz vor Arrival (ich kann die Logik immer noch nicht verstehen) und – da ich ja weiß, daß keine Autovermietung irgendwo auf dem Gelände ist – dort rufe ich erst mal bei Dollar an, daß jemand das Auto abholen kommen soll. Geht auch relativ schnell, der Check geht auch problemlos und meine Beanstandung der freien, verletzungspotentiellen Feuerlöscherhalterung führt nur dazu, daß der selbige jetzt gesucht wird. Immerhin wird er mir nicht in Rechnung gestellt. Wir sollen dann den Rest des Papierkrams in der Halle am Schalter erledigen.

Leicht gesagt. Schwer gefunden. In die Halle kommt man zwar einfach rein, aber die Dollars, Hertzens et al sind alle im abgesperrten Bereich für ankommende Passagiere! Wie – um Himmels willen – soll man da legal ein Auto zurückgeben? Wir entscheiden uns für die einfache Variante: Eingang durch das Security-Personal Tor, Nichtbeachten des Alarms und forsches Vorbeigehen an den Wachposten – wobei wir noch mit dem Dollar-Papierhaufen winken. Danach geht’s ratzfatz: Die Dame ist zwar nicht freundlich, aber kompetent, legt bald eine Rechnung über 875 AED vor (statt der geplanten 545 – ist aber wegen der Oman-Versicherung, einer Gebühr und Parkplatzgebühr (!) in Ordnung) und rechnet alles über den Blanko-Kreditkartenbeleg ab. Später erhalte ich dann per email die Bestätigung – wenigstens das geht elektronisch.

Eigentlich geht’s zum ACE, Michaels Baumarkt, rein logisch nach rechts und dann ist man gleich da. Oder auch nicht – denn Michael fährt erst mal nach links, dann eine Riesenschleife (immerhin keine 80 km) und nähert sich dem Ziel von der anderen Seite. Begründung: Lieber eine bekannte Strecke nehmen, auch wenn die weiter ist, als einen unbekannte, die dann jeweils länger dauert. Abgesehen davon komme ich so noch in den Genuß seiner Lieblingskreuzung: Ein 5-spuriger Highway teilt sich und ein Abzweig führt nach rechts. Ätsch – will man nach rechts, dann muß man geradeaus, denn die Rechtsabbiegung führt über eine Brücke wieder in die Geradeausrichtung über den anderen Teil des Highways. Absolut irre!

ACE hat zwar alles, aber nichts von dem, was wir wollen. Wir finden zwar noch viele interessante Dinge, nehmen aber dann nichts mit und verlassen ACE mit einer Bestellung, die am Montag abgeholt werden kann.

Viola ist immer noch stark verschnupft – und war deshalb nicht mitgekommen. Abends wollten wir das Restaurant im feudalen Polo-Club aufsuchen – gleich neben den Ranches, leicht zu erreichen aber schwierig, zurückzufinden (ich wiederhole mich: diametral jeglicher Logik entgegengesetzte Verkehrsführung). Das Essen ist vorzüglich, das Ambiente sehr elegant und dann machen sie uns das Licht aus. Das sei immer so bei einer bestimmten Uhrzeit. Fortsetzung des Dinners als Candlelight Dinner.

Damit wir nicht bis Abu Dhabi oder Al Ain für den Rückweg müssen, wählt Michael den Sand neben der Straße. Überqueren kann man sie nämlich erst wieder bei den Ranches am Kreisverkehr, der mir gestern so viele Probleme bereitet hat.

Irgendwie stelle ich fest, daß meine Fotoausbeute bei diesem Trip relativ gering ist und so plane ich einen weiteren Besuch in der Stadt. Viola empfiehlt die Ibn Battuta Mall, die sich vor allem durch eine interessante Architektur anbietet: Ibn Battuta war ein Reisender, der insbesondere die Länder China, Indien, Persien, Ägypten, Tunesien und Andalusien besucht hat. Und so ist die Mall um genau diese 6 Zentren gebaut, jeder Teil architektonisch dem jeweiligen Land entsprechend. Die zentralen Hallen werden von Skulpturen der jeweiligen Region dominiert. So ist in Indien ein riesiger Elefant, China hat ein gestrandetes Segelschiff (in Originalgröße) und vor allem Ägypten hat es mir angetan, mit einer Skulptur, die einen Pendelversuch darstellt und dabei eine kleine Geschichte der Mathematik beheimatet. Auch wenn vieles davon ein bißchen disneylandisch anmutet – die Idee ist nett, die Umsetzung sehenswert.

Was außer mir nur ganz wenige Menschen sehen – denn die Mall ist an diesem Werktag fast menschenleer. So verbleibe ich deutlich länger darin, als erwartet. Violas Auto, das ich irgendwo im indischen Parkhaus abgestellt habe, will zwar weiter, aber ich entscheide mich für eine Fahrt in der Metro – das muß einfach sein. Zuvor hatte ich noch ausfindig gemacht, daß die Metrostation Ibn Battuta gerade erst vor 2-3 Wochen fertiggestellt worden sei – also nichts wie hin. Ziel ist die Mall of the Emirates – ebenfalls eine Metro Station. Metrofahren ist absolut simpel: Die Karten sind RFID gefüttert, pre-paid und beim Durchgang durch das Drehkreuz wird man registriert, beim Hinausgehen bezahlt man automatisch. Natürlich mache ich gleich zwei Fehler: Ich steige in der Gold-Class ein (das ist die erste Metroklasse und die hat sogar andere Tickets) und gehe dann durch das Frauenabteil. Ein netter Schaffner begleitet mich und schützt mich so vor weiteren Fehlern (andere gibt’s aber nicht). Kurioserweise lande ich bei der Rückfahrt ebenfalls im Frauenabteil – ein aufgebrachter Beamter gestikuliert draußen bei der Abfahrt ganz hektisch und erst der Hinweis einer Mitfahrerin bringt die Erkenntnis des Fehlers.

Heute ist der Nachhauseweg einfach – ich weiß ja jetzt, wo ich überall fahren soll und kann und so bleibt’s an dem Tag bei keinem Umweg.


Danach ist Packtag – wenngleich erst kurz vor Mitternacht – Einkaufstag (Violas verspätetes Geburtstagsgeschenk, der Welt billigste Elektroadapter und Lebensmittel bei Spinnies – die spinnen, die Dubaianis) und Abschiedstag mit einem weiteren exzellenten Dinner im Golfclub, bei dem nicht nur diniert wird, sondern gerade die Quiz-Night läuft. Der Quizmaster ist eine Stimmungskanone und die Stimmung entsprechend euphorisch berauschend – für den Fall, daß man Engländer in den letzten Alterszügen ist. Nix für uns – aber wir haben ja auch draußen gesessen und ich hab schon mal vorsichtig meine Erkältung nach ihrem Befinden morgen Abend gefragt – da gibt’s keine 35° um 22:30 mehr, sondern laut Vorhersage einstellige Temperaturen. Brrrrrrrrr-time ist angesagt.

Viola läßt es sich nicht nehmen, mit in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen zu fahren. Die Verabschiedung ist kurz – da Halteverbot – aber ich habe schon ein Tränchen im Auge: Es wird ja doch einige Zeit dauern, bis wir uns wieder sehen.

Und mit 'Tränen in den Augen' begrüßt mich auch Bad Tölz - fast unter Wasser............